1. Karlo Clever

Museum in Leipzig: Kunstwerke auch blind erleben

Museum in Leipzig : Kunstwerke auch blind erleben

Kunst ist für alle da: Auch für Menschen, die blind oder sehbehindert sind. Im Museum der bildenden Künste Leipzig gibt es daher besondere Führungen.

Sebastian Schulze nimmt seine Umgebung durch Hören, Riechen und Tasten wahr. Dass er nicht mehr sehen kann, hält ihn aber nicht davon ab, ins Kunstmuseum zu gehen. Im Gegenteil: Er arbeitet für das Museum der bildenden Künste in der Stadt Leipzig.

Sebastian Schulze setzt sich dafür ein, dass blinde und sehbehinderte Menschen Kunst erleben können. „Kunst ist für alle da!“, sagt er. Zusammen mit seiner Kollegin Carolin Rothmund leitet er deshalb eine Führung, die besonders für Blinde und Sehbehinderte gedacht ist.

Dort stellen die beiden immer zwei Kunstwerke vor. Sebastian Schulze erklärt: „Bei einer Bildbeschreibung ist es sehr wichtig, dass sich im Kopf der Zielgruppe das Bild aufbaut.“ Das ist die Aufgabe von Carolin Rothmund. Sie ist sehend und beschreibt die Kunstwerke sehr genau. Meistens beginnt sie damit zu erklären, wie groß das Bild ist und wie es aufgehängt ist. Dann geht es damit weiter, was darauf zu erkennen ist.

Carolin Rothmund beschreibt zum Beispiel, ob sich Menschen auf dem Bild befinden und wie diese aussehen. Dabei achtet sie auch auf Farben und wie das Bild gemalt ist. Carolin Rothmund lässt auch Empfindungen in ihre Beschreibung einfließen: Wirkt das Bild freundlich und ruhig? Oder erscheint es eher düster und bedrohlich? Jede Kleinigkeit versucht sie zu erwähnen. „Natürlich kommen Nachfragen, das ist vollkommen logisch. Jeder versteht es ein bisschen anders“, erklärt ihr Kollege Sebastian Schulze.

Sebastian Schulzes Aufgabe ist es, mehr Informationen über das Kunstwerk zu liefern. Also zum Beispiel, wann und wie das Kunstwerk entstanden ist. Oder wer es geschaffen hat. Damit kennt er sich sehr gut aus. „Ich habe Kunstgeschichte studiert. Dank meines fotografischen Gedächtnisses habe ich ganz viele Kunstwerke im Kopf.“ Denn Sebastian Schulze ist nicht von Geburt an blind, sondern erst später erblindet.

Um die Kunst in der Führung erlebbar zu machen, kann man neben dem Hörsinn auch den Tastsinn einsetzen. Von ein paar Kunstwerken im Museum gibt es fühlbare Abbildungen. Sie dürfen angefasst werden.

Sebastian Schulze schlägt außerdem vor, Kunstwerke nachzuahmen. „Bei Skulpturen und Porträts geht das sehr gut“ erklärt er. Zum Beispiel kann man einfach die Position einer Statue einnehmen. Oder den Gesichtsausdruck einer Person auf dem Gemälde nachmachen. So lernt man die Werke noch einmal anders kennen. Vielleicht probierst du das bei deinem nächsten Museumsbesuch gleich mal aus.

(dpa)