1. Karlo Clever

Medizinische Forschung: Kluge Computer für eine neue Pille

Medizinische Forschung : Kluge Computer für eine neue Pille

Ein neues Medikament zu entwickeln, ist wie ein schweres Puzzle und kann oft viele Jahre dauern. Nun soll Künstliche Intelligenz bei der richtigen Zusammensetzung helfen.

Wer krank ist, bekommt dagegen oft ein Medikament oder gleich mehrere. Manche Mittel kennt man schon lange. Fachleute entwickeln aber auch ständig neue Medikamente. Die sollen etwa besser wirken oder neue Krankheiten heilen. Von der ersten Idee bis zum fertigen Mittel vergehen aber oft viele Jahre. Woran liegt das?

Kombination vieler Bausteine

„Damit uns ein Medikament gesund macht, braucht es ganz viele Bausteine“, erklärt der Wissenschaftler Fabian Theis. Die Bausteine töten beispielsweise Bakterien ab oder lindern Schmerzen. Kombiniert man eine Menge Bausteine, entsteht ein Medikament. Das muss an die richtige Stelle im Körper gelangen. Es muss auch wirken, ohne zugleich große Schäden anzurichten.

Deshalb vergleicht Fabian Theis die Suche nach den richtigen Bausteinen mit einem besonders schwierigen Puzzle. Die Teile werden immer wieder neu zusammengelegt und getestet. Oft müssen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Labor Tausende Male puzzeln, bis es funktioniert.

Fabian Theis und seine Kolleginnen und Kollegen wollen den Forschenden helfen: mit Künstlicher Intelligenz, kurz KI genannt. Das sind kluge Computerprogramme, die ständig dazulernen. KI steckt schon jetzt in unserem Alltag, etwa bei der Suche im Internet oder wenn Streaming-Dienste für uns passende Filme vorschlagen.

Doch was hat das mit Medikamenten zu tun? „Im Prinzip sei die Herausforderung ganz ähnlich“, sagt Fabian Theis. Der Computer sucht eben nicht nach Webseiten, sondern nach den passenden Bausteinen für Medikamente. Er probiert auch mögliche Kombinationen aus. Dabei ist er viel schneller als ein Mensch.

So wurde vor Kurzem ein Medikament mit dem Namen DSP-1181 mit Hilfe von KI entwickelt. Es soll Menschen mit schlimmen Ängsten helfen. Für die richtige Bauanleitung brauchte das Computerprogramm gerade einmal ein Jahr. Forschende allein hätten wohl vier bis fünf Jahre benötigt.

In Zukunft sollen viel mehr Medikamente auf diesem Weg entwickelt werden. „Künstliche Intelligenz hilft uns nur beim Suchen“, sagt Professor Theis aber. „Die Hauptarbeit leisten weiter wir Menschen.“ Zum Beispiel müssen die Forschenden dem Programm genau erklären, wonach es suchen soll und wie das Medikament am Ende wirken soll.

Zudem sind für neue Medikamente sehr viele Tests nötig: zuerst an Bakterien im Labor, danach zum Beispiel an Tieren und ganz am Ende auch mit kranken Menschen. Das können KI-Programme nicht ersetzen.

(dpa)