1. Karlo Clever

Wissenschaftlerin Julie King im Interview: „Klima-Angst kann hilfreich sein“

Wissenschaftlerin Julie King im Interview : „Klima-Angst kann hilfreich sein“

Die Gedanken an die Folgen des Klimawandels können Sorgen auslösen. Doch das ist nicht nur schlecht. Die Wissenschaftlerin Julie King erklärt, wie man damit umgehen kann.

Mit dem Klimawandel und seinen Folgen beschäftigen sich viele Menschen, zum Beispiel Julie King. Die Wissenschaftlerin arbeitet an der Universität Oldenburg. Sie interessiert sich unter anderem für die Auswirkungen auf die Gefühle der Menschen.

Frau King, welche Gefühle löst der Klimawandel aus?

Julie King: Wenn man sich mit dem Klimawandel und den Folgen beschäftigt oder ständig davon in den Nachrichten hört, kann das Sorgen, Ängste und Stress auslösen. Das Nicht-Handeln von anderen kann auch frustrierend sein. Viele fühlen sich in dieser Krise hilflos und überfordert.

Betrifft die Klima-Angst viele Kinder?

King: Dazu gibt es bisher nur wenige Daten. Aber man kann sicher sagen, dass die Angst viele junge Menschen betrifft. Sie haben noch ein langes Leben vor sich und hören ständig, dass das alles schlimm wird. Das sieht man auch auf den Schildern bei „Fridays for Future“. Sie zeigen Wut und Ängste. Viele junge Menschen sind unsicher, was in der Zukunft auf uns zukommt.

Was ist das Besondere an dieser Art Angst?

King: Es ist ein Ur-Instinkt, dass Menschen vor Bedrohungen Angst haben. Wenn man zum Beispiel im Wald auf einen Bären trifft, bekommt man Angst. Entweder flieht man, man kämpft oder man erstarrt und kann gar nichts tun. Der Klimawandel und seine Folgen sind auch eine Bedrohung. Es ist aber anders als beim Bären. Der ist irgendwann weg. Der Klimawandel ist aber eine ständige Bedrohung. Deswegen ist das Gefühl auch eher Stress. Man hat nicht die ganze Zeit starke Angst. Sie kommt aber immer wieder, wenn man darüber nachdenkt.

Wie kann man damit umgehen?

King: Es ist völlig okay, diese Angst oder diesen Stress zu fühlen. Das zeigt auch, dass man das Ausmaß der Krise verstanden hat. Wenn man erkennt, dass die Klimakrise einem Angst macht, ist der erste Schritt, darüber zu reden. Zum Beispiel mit den Eltern, mit Geschwistern oder Freunden. Die Angst kann einem dann sogar helfen. Sie kann eine Motivation sein, etwas zu tun.

Was denn zum Beispiel?

King: Sie kann dazu führen, dass man sich selbst und sein Verhalten ändert, um zu helfen, den Klimawandel zu verlangsamen. Sie führt dazu, dass Menschen auf die Straße gehen und demonstrieren und wenn sie alt genug sind, wählen gehen.

(dpa)