Eisbaden: Kalte Bäder gegen schlechte Laune

Eisbaden : Kalte Bäder gegen schlechte Laune

Eiskalter See statt warme Badewanne: Manche Menschen trauen sich auch im Winter ins Wasser. Wir haben eine Gruppe beim Eisbaden begleitet und Tipps bekommen.

Vier Grad sind es an diesem Sonntagmorgen. Auf den Wiesen des großen Parks liegt eisiger Reif. Kalter Wind pfeift. Jakob Neumann und Jonas Wind macht das nichts aus. Die beiden Männer gehen auch im Winter draußen baden.

Zusammen mit den beiden haben sich etwa 20 junge Männer und Frauen am Ufer des Teichs versammelt. Die Gruppe nennt sich „Ice Dippers“ (gesprochen: Eisdippers) und trifft sich regelmäßig zum Eisbaden. Wobei: Eigentlich müsste man eher Winterbaden sagen. Denn Eis gibt es auf dem Wasser an diesem Tag nicht.

Jonas Wind hat die Gruppe gegründet. „Ich wollte etwas gegen meinen Winterblues tun“, erklärt er. Winterblues nennt man die schlechte Stimmung, in die manche im Winter geraten. Zum Beispiel, weil die Sonne nicht so lange scheint wie im Sommer. Ehe es ins eiskalte Wasser geht, bereitet sich die Gruppe mit Atemübungen vor. „Damit sorgen wir dafür, dass wir viel Sauerstoff im Blut haben“, sagt Jakob Neumann. Dadurch bekommt der Körper Energie.

Jakob Neumann gibt den anderen Tipps: „Macht euch den Kopf nicht nass“, sagt er. „Lasst vor allem die Ohren nicht ins Wasser kommen. Und haltet auch die Hände raus.“ Über Kopf und Hände verliert der Körper leicht Wärme. Jetzt noch ein paar Liegestützen, um den Körper aufzuwärmen, und los geht‘s! Splitternackt oder in Badesachen stellen sich die Badenden in einer Reihe ans Ufer. Plötzlich brüllen sie aus vollem Hals. „Damit wird man seine Nervosität los“, sagt Jakob Neumann. Mit entschiedenem Schritt steigen Jonas Wind und er ins Wasser. Andere folgen etwas zögerlicher.

Anfangs stehen alle ganz still im Wasser. Keiner sagt auch nur ein Wort. Jonas Wind schließt die Augen, Jakob Neumann lässt seinen Blick über das Wasser gleiten. Beide konzentrieren sich ganz auf ihren Körper. Sehr entspannend wirkt das. Genau darauf kommt es hier an. Nach ein paar Sekunden steigen die ersten Badenden schon aus dem Wasser. Jonas Wind schafft drei Minuten, dann geht er raus. Jakob Neumann bleibt noch ein paar Minuten drin – obwohl sein Körper schon etwas zittert.

Die Badenden, die nach und nach aus dem Wasser kommen, wärmen sich zusammen auf. Sie joggen um den See, machen Hampelmänner und andere Übungen. Außerdem trinken sie heißen Ingwertee. „Schön wach fühle ich mich jetzt“, sagt Jakob Neumann, als er aus dem Wasser kommt. „Und glücklich“, fügt Jonas Wind hinzu und strahlt.

Der wohl bekannteste Eisbadende heißt Wim Hof. Der Mann wird auch „Iceman“ (gesprochen: Eismän) genannt. Er hat es vor längerer Zeit geschafft, eine Stunde, 52 Minuten und 42 Sekunden in einer Wanne mit Eis auszuharren. Der Extremsportler aus den Niederlanden hat außerdem ein besonderes Training entwickelt. Damit will er seinen Körper und Geist für extreme Belastungen stärken. Zu dieser Methode gehört auch das Baden in Eiswasser. Seine wichtigste Botschaft ist: Jeder Mensch ist in der Lage, seinen Körper so stark zu machen wie er. Man müsse nur trainieren.

(dpa)