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Karlo Clever: Junge Bären auf Wanderschaft

Karlo Clever : Junge Bären auf Wanderschaft

Sehr selten hört man, dass ein Tier in Deutschland gesichtet wird. Zuletzt im Sommer aus Bayern. Dabei leben sie hier schon sehr lange nicht mehr. Woher kommt so ein Bär dann?

Bären sind große und starke Raubtiere. In Deutschland allerdings leben schon lange keine mehr in der Natur. Ab und zu hört man trotzdem: Ein Bär ist gesichtet worden, zuletzt im Sommer in den Bergen in Süddeutschland. Manche Leute fragen sich jetzt, woher so ein Bär kommt und ob er gefährlich sein könnte.

„Meistens kommen Bären aus dem Raum Trentino zu uns“, erklärt Andreas von Lindeiner. Er kümmert sich um Naturschutz im Bundesland Bayern. Trentino liegt im Norden von Italien und damit nicht allzu weit von Bayern entfernt. Ein ausgewachsener Bär könnte die Strecke in einigen Tagen schaffen.

Ungefähr 60 Braunbären leben im Trentino. „Es sind vor allem die jungen Bärenmännchen, die auf Wanderschaft gehen“, erklärt Andreas von Lindeiner. „Sie suchen ein neues Revier und schauen sich um, ob sie hier Partnerinnen finden.“ Dabei ziehen die Tiere nachts durch die Wälder, überqueren Straßen und durchschwimmen Flüsse. Sie sind oft lange unterwegs. „Wir vermuten, dass der Bär, der jetzt in Bayern beobachtet wurde, bereits 2019 in Österreich gesehen wurde“, sagt der Experte.

Einen Bär zu sichten, heißt meist aber nicht, dass ihn jemand direkt gesehen hat. Bären sind nachtaktiv. „Die Tiere sind extrem vorsichtig. Den Tag verschlafen sie lieber in einem gemütlichen Versteck“, erklärt der Fachmann. Es lassen sich aber Spuren der Tiere entdecken, wie etwa Kot.

Viel Lust, Menschen zu begegnen, haben Bären sowieso nicht. „Ein Bär ist zwar ein gefährliches Raubtier. Aber wenn man ihn in Ruhe lässt, hat ein Bär keinen Grund, anzugreifen“, sagt der Experte. „Er weiß ja, dass er stärker ist als wir.“

Weil Bären Allesfresser sind, finden sie überall Futter. „Bären haben eine extrem gute Nase. Sie suchen sich Käferlarven, Früchte, Würmer, auch Aas. Sie fressen Wurzeln, Honig oder Fisch.“ Der Experte sagt: „Ein Irrglaube ist, dass Wildtiere wie Bären nicht überleben können, wenn wir sie nicht füttern. Das ist Quatsch. Ob das eine Ente, ein Hirsch oder ein Bär ist: Alle Tiere, die draußen leben, sind in der Lage, sich Futter zu suchen und brauchen uns Menschen ganz sicher nicht.“

Der junge Bär in Bayern wird dort aber wohl keine Bärin finden. „Weibliche Bären bleiben lieber dort, wo sie geboren wurden“, sagt Andreas von Lindeiner. Da hier keine Bärenfamilie lebt, gibt es auch keine Weibchen. Finden junge Bären keine Partnerin, kehren sie irgendwann in ihre Heimat zurück.

(dpa)