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Karlo Clever: Jassi hat sich nicht frei gefühlt

Karlo Clever : Jassi hat sich nicht frei gefühlt

Tausende Menschen gehen im Iran auf die Straße. Sie protestieren gegen die strengen Regeln im Land, vor allem für Mädchen und Frauen. Auch Jassi störten die Vorschriften.

Ein Kopftuch, einen Mantel und lange Ärmel. Das müssen alle Mädchen und Frauen im Iran ab dem Alter von neun Jahren tragen. So bestimmt es das Gesetz in dem religiösen Land. Wer sich nicht an die Kleidervorschriften hält, kann Ärger bekommen oder sogar bestraft werden.

Jassi kennt das gut. Sie ist im Iran geboren. Als sie 18 Jahre alt war, ist sie nach Deutschland gezogen. Heute ist sie 24 Jahre alt und lebt in Berlin. Dort macht sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. Jassi hat braune Haare, ist sehr fröhlich und lacht viel. Eigentlich lautet ihr richtiger Vorname anders, sie möchte aber nicht erkannt werden.

Die strengen Regeln im Iran haben Jassi sehr gestört. „Ich wollte mich frei anziehen. Das durfte ich aber nicht“, erzählt sie. Einmal zum Beispiel habe sie als Jugendliche auf der Straße Ärger bekommen. Weil ihre Ärmel zu weit nach oben gekrempelt waren, sagt Jassi. Zu Hause im engsten Kreis der Familie können sich Mädchen aber in der Regel anziehen, wie sie möchten.

 Türkei, Istanbul: Eine Demonstrantin, die die Farben der iranischen Flagge auf der Wange geschminkt hat, ruft Slogans, während einer Demonstration gegen das Regime im Iran.
Türkei, Istanbul: Eine Demonstrantin, die die Farben der iranischen Flagge auf der Wange geschminkt hat, ruft Slogans, während einer Demonstration gegen das Regime im Iran. Foto: dpa/Onur Dogman

Jassi ist nicht die einzige, die gegen die strengen Vorschriften ist. Momentan gehen im Iran viele Menschen auf die Straße, weil sie mehr Freiheiten wollen. Der Auslöser für die Proteste war der Tod einer jungen Frau. Sie wurde wegen ihrer angeblich falschen Kleidung von der Sittenpolizei festgenommen. Kurz danach ist sie gestorben.

Die Sittenpolizei ist eine spezielle Polizei. Sie überprüft, ob sich alle an die Regeln halten. „Wenn ich die Autos von denen gesehen habe, bin ich weggerannt, habe mich versteckt oder meine Klamotten schnell zurechtgezogen“, sagt Jassi.

Auch sonst läuft im Iran vieles anders. Jungen und Mädchen gehen zum Beispiel auf getrennte Schulen. Ab einem bestimmten Alter dürfen sie sich draußen nicht mehr zusammen zum Spielen treffen. In der U-Bahn oder im Bus müssen sie getrennt voneinander sitzen.

Und was ist, wenn man einen festen Freund oder eine feste Freundin hat? Lange Zeit haben junge Leute das im Iran geheim gehalten. Um zusammen zu leben, muss man offiziell heiraten. Vor allem in der Öffentlichkeit werden die Regeln streng beobachtet. „Auf den Mund küssen und umarmen ist überall draußen verboten“, sagt Jassi. Trotzdem finden junge Paare immer wieder Möglichkeiten, die Regeln zu umgehen.

Im Iran hatte Jassi ständig Angst, etwas falsch zu machen und bestraft zu werden. Sie habe das Gefühl gehabt, nicht sie selbst sein zu können, erzählt sie. „So ein Leben wollte ich nicht mehr haben.“

Deswegen ist Jassi nach der Schule nach Deutschland gezogen. Ihre Eltern haben sie dabei unterstützt. Die Arbeit als Krankenschwester mache ihr viel Spaß, sagt sie. Nach ihrer Ausbildung möchte sie studieren und zu ihrer Mutter ziehen, die in dem Land USA lebt.

(dpa)