1. Karlo Clever

Aus der Tierwelt: Im Winter bleibt die Tür zu

Aus der Tierwelt : Im Winter bleibt die Tür zu

Die Weinbergschnecke hat vier Fühler, Tausende von Zähnen und ein großes Haus, bei dem sie in der kalten Jahreszeit den Deckel drauf machen kann. Welchen Sinn hat das alles?

Was für ein großes Haus! Da könnten andere Schnecken richtig neidisch werden, wenn sie einer Weinbergschnecke begegnen. An ihrer Größe kann man die Weinbergschnecke gut erkennen. Ihr Haus kann bis zu fünf Zentimeter hoch werden und die Schnecke ist ausgewachsen etwa zehn Zentimeter lang.

„Es ist die größte einheimische Gehäuseschnecke, die es bei uns gibt“, sagt der Biologe Vollrath Wiese. Entdecken kann man die Weinbergschnecke tagsüber und häufiger bei regnerischem Wetter. Sie lebt zum Beispiel an Wegesrändern, in Gärten, lichten Wäldern und in den Weinbergen natürlich. Daher kommt schließlich ihr Name.

Wenn du schon einmal eine Weinbergschnecke aus der Nähe beobachtet hast, ist dir neben ihrer Größe vielleicht noch etwas anderes aufgefallen. Sie hat vier Fühler. „Oben auf den beiden großen Fühlern sind die Augen und die unteren Fühler sind Taster“, erklärt der Experte.

 Der Biologe Vollrath Wiese kennt sich mit Schnecken aus.
Der Biologe Vollrath Wiese kennt sich mit Schnecken aus. Foto: Haus der Natur - Cismar/Vollrath Wiese, Haus der Natur -

Eine andere Sache hast du vermutlich noch nie gesehen. Es klingt verrückt, aber die Weinbergschnecke hat etwa 40.000 Zähne! „Die sitzen auf einer Art Fließband“, erklärt Herr Wiese. Damit ist die Raspelzunge der Schnecke gemeint, die sogenannte Radula. Diese besteht aus vielen kleinen Zähnchen in einer Reihe. Mit der Radula raspelt die Weinbergschnecke Pflanzen klein, um sie zu fressen.

Wichtige Organe wie Herz und Lunge hat die Schnecke in ihrem Haus in einem Eingeweide-Sack. Dort sind sie gut geschützt. Schutz bietet außerdem der Schleim der Schnecke. „Weil viele andere Tiere sie deswegen nicht fressen“, erklärt Vollrath Wiese.

Zusätzlich schützt er sie vor dem Austrocknen und er hilft ihr bei der Fortbewegung: Sie hält sich mit dem Schleim am Boden fest und zieht sich dann nach vorn. Dank ihrer Schleimspur kommt die Weinbergschnecke auch über raues Gelände ohne sich zu verletzen.

Aber warum ist die Schnecke eigentlich so langsam unterwegs? „Die muss nicht schneller sein. Sie hat ja ihr Haus dabei. Sie ist kein Fluchttier, sondern ein Verstecktier“, erklärt der Biologe. Bei Gefahr zieht sie sich einfach in ihr Häuschen zurück.

Im Winter macht die Weinbergschnecke dann sogar die Tür zu. Genauer gesagt: Sie macht einen Deckel drauf. Der besteht aus Kalk. Aus dem gleichen Material ist auch ihr Haus. „Mit dem Kalkdeckel verschließt sie ihr Gehäuse. Vorher buddelt sie sich noch ein bisschen ein, damit sie gut geschützt ist“, sagt Herr Wiese.

(dpa)