1. Karlo Clever

Karlo Clever: Ihm geht nie die Puste aus

Karlo Clever : Ihm geht nie die Puste aus

In der kleinen Stadt Lauscha ist der Christbaumschmuck aus Glas erfunden worden. Die Glasbläser dort arbeiten immer noch mit der Hand. Ein Experte erklärt, wie das geht.

Vorsicht! Die glänzenden Kugeln und bunten Figuren für den Weihnachtsbaum sind zerbrechlich. Denn häufig sind diese Schmuckstücke aus dünnem Glas gemacht.

In der Stadt Lauscha im Bundesland Thüringen wissen sie genau, wie das geht. Hier wurde der gläserne Christbaumschmuck vor etwa 175 Jahren erfunden.

Damals verzierten die Menschen ihren Weihnachtsbaum vor allem mit Essbarem wie Äpfeln und Nüssen. Ein armer Glasbläser soll aber dafür nicht genug Früchte gehabt haben. In seiner Not habe er als Ersatz Kugeln aus Glas hergestellt, heißt es. Die malte er dann an.

So ähnlich wie Sandförmchen

Mit der Zeit begeisterten diese Glaskugeln immer mehr Menschen. Inzwischen kommen an den Christbaum aber nicht nur Kugeln, sondern auch andere Figuren. Der Glasbläser Michael Haberland aus Lauscha ist dafür Experte.

 Die Kugeln und Figuren sind aus Glas und damit sehr zerbrechlich.
Die Kugeln und Figuren sind aus Glas und damit sehr zerbrechlich. Foto: dpa/Claudia Irle-Utsch

Um Schmuck wie etwa eine kleine Lokomotive herzustellen, braucht er Formen aus Keramik. Die beiden Teile dieser Formen sehen aus wie stabile Sandförmchen. Für die Lok spannt Michael Haberland zuerst die passenden Formteile an seiner Werkbank in die Formzange ein. Mit einer Flamme erhitzt er dann ein knapp 30 Zentimeter langes Glasrohr ungefähr in der Mitte. An dieser Stelle wird das Glas flüssig.

Dieses Glas bläst Michael Haberland über das Ende des dünnen Rohrs vorsichtig zu einer Kugel auf. Die legt er in den unteren Teil der Form, presst die Teile mit der Zange zusammen und gibt kurz über den hohlen Spieß etwas Luft hinzu. Nun löst er die Zange wieder. In der Hand hält er eine Lokomotive am Stiel.

Ist die Figur abgekühlt, kommt das Versilbern dran. Dazu verwendet der Glasbläser eine spezielle Flüssigkeit. Ein wenig davon gibt er über das Röhrchen in die Lokomotive und schüttelt sie. Dann festigt er es in einem Topf mit kochend heißem Wasser. Nun glänzt die kleine Lok silbern. Getrocknet wird sie auf einem Nagelbrett.

Später wird die Lokomotive noch mit Pinsel und Farbe verziert. Das macht nicht der Glasbläser, sondern Malerinnen. Erst danach wird der Spieß aus Glas mit einem Spezialmesser entfernt. Auf die Öffnung kommt ein Hütchen und daran der Aufhänger. Fertig ist die Lokomotive für den Weihnachtsbaum.

Eine andere Spezialität von Michael Haberland sind übrigens Vögelchen aus Glas: manche mit Federschwanz, andere mit Schwänzchen aus gesponnenem Glas. Die Lieblingsfigur von Michael Haberland ist aber der Astronaut. Er sagt: „Als Kind wollte ich in den Weltraum fliegen. Oder Glasbläser werden.“

(dpa)