1. Karlo Clever

Hostien, Challa und Pide: Was Brot über Religionen verrät

Hostien, Challa und Pide : Was Brot über Religionen verrät

Im Jüdischen Museum in Berlin backen Kinder zusammen Hostien, Challa und Pide. Das sind Brote für Christen, Juden und Muslime, die an Feiertagen eine besondere Rolle spielen.

Im Jüdischen Museum steht eine Gruppe Kinder um einen großen Tisch herum. Alle tragen Schürzen und haben die Ärmel hochgekrempelt. Jedes Kind knetet einen Klumpen Teig. Daraus soll Brot werden.

Moment! Brot backen? In einem Museum? Das erwarten wohl die wenigsten an so einem Ort. Dieses Jüdische Museum steht in Berlin, der Hauptstadt von Deutschland. Im Museum kann man vor allem Dinge über die Religion Judentum lernen. Und es bietet manchmal Aktionen zum Mitmachen an, wie etwa das Brotbacken.

Dabei geht es aber nicht darum, sich normales Frühstücksbrot zu backen. Sondern es werden ganz spezielle Brote gefertigt. Und zwar solche, die Juden, Christen und Muslime an ihren Feiertagen essen. Die Teilnehmer lernen also auch etwas über diese großen Religionen. Im Christentum ist zum Beispiel der Sonntag ein Feiertag. An diesem Tag soll laut der Bibel eine Pause eingelegt werden. In vielen christlichen Ländern sind sonntags die Geschäfte geschlossen. Einige Gläubige gehen dann auch in die Kirche. Dort wird gemeinsam ein bestimmtes Brot gegessen: die Hostie. Diese ist klein, flach und rund. „Die Hostie kannte ich schon vor dem Brotbacken“, erzählt eine der jungen Bäckerinnen im Museum. Sie heißt Emilia und ist neun Jahre alt.

Emilia knetet an diesem Mitmach-Tag einen jüdischen Hefezopf. Dieser nennt sich Challa. Die Challa wird im Judentum an Freitagabend vor Sonnenuntergang gegessen. Danach beginnt der für Juden heilige Tag Samstag, der Sabbat. An diesem Tag dürfen Juden nicht arbeiten. Aus drei langen Teigwürsten formt Emilia den Zopf. „Der Hefeteig ist ganz schön klebrig. Man muss deshalb ordentlich flechten und nicht durcheinanderkommen“, erklärt sie. Ein anderer Teil der Kinder backt ein Fladenbrot. Es ist rund und hat ein Gittermuster obendrauf. Dieses Brot nennen einige Leute Pide, andere Pita. Gegessen wird es unter anderem in Ländern, in denen die Religion Islam verbreitet ist.

Ein spezielles Pide wird während des Fastenmonats Ramadan in der Türkei hergestellt. Es wird vor dem Backen mit Ei und Butter bestrichen. Das Brot heißt Ramazan Pidesi. Es wird vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang gegessen.

(dpa)