1. Karlo Clever

Ohrenkneifer: Hinten Zangen, vorn Antennen

Ohrenkneifer : Hinten Zangen, vorn Antennen

Manche finden Ohrenkneifer fies, dabei sind die Insekten völlig harmlos. Am liebsten suchen sie im Garten oder in Parks nach Futter. Einige kümmern sich sogar gut um ihren Nachwuchs.

Wenn du im Frühjahr und Sommer Steine oder Blumentöpfe aufhebst, kannst du sie manchmal flitzen sehen: die kleinen Ohrenkneifer. Sie haben eine rotbraune Farbe, auf ihrem Kopf sitzen zwei lange Antennen und am Hinterteil zwei Kneifzangen. Es gibt Menschen, die finden Ohrenkneifer eklig. Vielleicht wegen ihres Namens?

Ohrenkneifer ist allerdings nicht die einzige Bezeichnung für die Tierchen. In manchen Gegenden sagt man zum Beispiel Ohrenzwicker oder Ohrkriecher. Tatsächlich heißen sie Ohrwürmer. Um Würmer handelt es sich bei ihnen aber nicht, sie zählen zu den Fluginsekten.

Doch woher kommt die Bezeichnung Ohrenkneifer? Schlüpfen diese Tierchen tatsächlich in unsere Ohren, kneifen dort mit ihren Zangen zu und legen ihre Eier ab, wie manche Leute glauben?

An Ohren gar kein Interesse

„Ohrenkneifer interessieren sich nicht die Bohne für Ohren, es wäre dort für sie gar nicht schön und zu essen gibt es auch nichts“, sagt dazu die Biologin Veronika Mischitz.

Aber wieso nennt man sie so, wenn sie doch gar nicht in Ohren kneifen? „So ganz genau weiß man das nicht. Vielleicht kommt der Name daher, dass diese Tiere früher zermahlen wurden und als Medizin gegen Ohrenkrankheiten genutzt wurden“, erklärt die Biologin. Den Kranken geholfen habe das allerdings nicht. Ohrenkneifer hätten also zumindest früher gute Gründe gehabt, sich vor Menschen zu fürchten.

Es sind also ganz harmlose Tierchen. Ins Haus kommen sie nur selten. Und wenn, dann nicht absichtlich, sondern weil sie sich verlaufen haben. Wenn du einen zu Hause findest, dann bringst du ihn besser nach draußen. Ohrenkneifer sind gerne im Garten oder in Parks, futtern dort zum Beispiel Blattläuse und Milbeneier. Dabei müssen sie aufpassen, nicht selbst gefressen zu werden, zum Beispiel von Vögeln, Insekten oder Spinnen.

Auffällig sind die langen Antennen am Kopf der Ohrenkneifer. „Damit nehmen sie Duftstoffe auf, um zum Beispiel zu testen, ob etwas für sie essbar ist“, erklärt die Biologin. Über die Duftstoffe erfahren die Tierchen auch einiges über andere Ohrenkneifer, zum Beispiel ob dieser ein Männchen oder Weibchen ist. Wir Menschen können diese Duftstoffe nicht riechen, aber wir können uns die Kneifer der Tiere angucken. Bei Weibchen sind die Zangen eher gerade, bei Männchen gebogen, erklärt Veronika Mischitz.

Ohrwürmer legen Eier. Diese verstecken sie zum Beispiel im Boden, unter Baumrinde oder Steinen. Viele Ohrwürmer kümmern sich dann um ihren Nachwuchs und bewachen ihn, einige bringen den Kleinen auch Futter. Das sind also eigentlich ganz nette Tierchen, diese Ohrenkneifer.

(dpa)