1. Karlo Clever

Tresor in Cochem: Heimlicher Schatz im Boden

Tresor in Cochem : Heimlicher Schatz im Boden

Ein Milliarden-Schatz. Versteckt in einem riesigen Tresor unter der Erde, von dem kaum jemand wusste. Klingt nach einer guten Idee für einen spannenden Film? Ist aber echt!

Wohnhäuser reihen sich aneinander. Kinder kommen von der Schule, ein Postbote verteilt Pakete. In der Stadt Cochem an der Mosel geht es zu wie in anderen Städten auch. Doch was die Nachbarn hier früher nicht wussten: So normal wie er scheint, war ihr Ort lange Zeit nicht. Denn genau hier lagerte ein geheimer Schatz in der Erde.

In einem Tresor hatte der deutsche Staat 15 Milliarden D-Mark versteckt. Die D-Mark ist das Geld, mit dem man in Deutschland bezahlte, bevor es den Euro gab. Das Geld lag zwischen den Jahren 1964 und 1988 für Notfälle im sogenannten Bundesbank-Bunker. Denn damals gab es einen sehr großen Konflikt. Auf der einen Seite standen westliche Länder wie etwa die USA und die Bundesrepublik Deutschland. Auf der anderen Seite standen Länder im Osten, zum Beispiel die Sowjetunion, zu der Russland zählte. Manche dachten damals sogar, es könnte einen Krieg geben. Den Konflikt nennt man auch Kalter Krieg.

Der Tresor ist heute ein Museum. „Das Geld war für unterschiedliche Notfälle gedacht“, erklärt die Leiterin Antonia Mentel. „Man hatte damals Sorge, dass jemand in Deutschland sehr viel Falschgeld verbreiten könnte“, erklärt sie den ersten Notfall. Das hätte zu großen Problemen geführt. Denn wenn plötzlich viel mehr Geld da ist, ist das bisherige Geld weniger wert. Firmen hätten Dinge vielleicht nicht mehr bezahlen können. Menschen hätten sich von ihrem Geld weniger kaufen können.

Die zweite Sorge galt damals Viren und Bakterien. „Man hatte Angst, dass Geldscheine etwa mit Viren versetzt werden könnten. Dann hätten die Scheine Krankheiten übertragen“, sagt Frau Mentel. Doch wer hätte die Viren oder das Falschgeld verteilen sollen? Wen genau die Regierung damals im Verdacht hatte, ist unklar. Weil die Politiker damals Angst vor Angriffen hatten, bereiteten sie sich vor.

Das Geld sah anders aus

Deswegen stellten sie Scheine im Wert von 15 Milliarden D-Mark her, die fast so aussahen wie das Geld, das damals eh benutzt wurde. Nur die Rückseite sah etwas anders aus. „Geplant war damals, dass man das Geld aus dem Bunker innerhalb von zwei Wochen in Deutschland hätte verteilen können“, sagt Antonia Mentel. Dieses neue Geld hätte man leicht vom alten unterscheiden können. Gebraucht wurde das Geld aus dem Bunker aber nie. Ab 1988 wurde es deshalb beinahe komplett vernichtet.

Ob es so etwas auch heute gibt, nur für Euros? „Ich weiß es nicht, aber es gibt nichts, was darauf hindeutet“, sagt die Fachfrau. Weil man mit dem Euro in so vielen Ländern bezahlen kann, müsste man noch viel mehr Ersatz-Geld herstellen und Platz finden, es zu sicher zu lagern. Außerdem haben wir heute bessere und andere Möglichkeiten, unser Geld etwa vor Fälschern zu schützen.

(dpa)