1. Karlo Clever

Die Hanse: Händler mit viel Macht

Die Hanse : Händler mit viel Macht

Manche Städte in Deutschland haben einen zweiten Namen: Hansestadt. Woher kommt diese Bezeichnung? Wir haben uns auf die Spuren der Hanse begeben.

Bremen, Rostock, Hamburg, Lübeck. Diese vier Städte haben manches gemeinsam. Sie liegen im Norden Deutschlands, sie haben einen Hafen – und ihre Autokennzeichen tragen vorn ein großes H. HB steht für Bremen, HRO für Rostock, HH für Hamburg, HL für Lübeck. Das große H hat eine spezielle Bedeutung: Es steht für Hansestadt.

Denn Bremen, Rostock, Hamburg und Lübeck gehörten im Mittelalter zur Hanse. Das war ein Zusammenschluss von Städten zwischen denen eifrig gehandelt wurde. Dieses Städtebündnis nannte sich zuerst „de hense van den dudeschen steden“. Auf Hochdeutsch heißt das: „die Hanse von den deutschen Städten“.

Damit unterschied sich diese Hanse von anderen Hansen. Im frühen Mittelalter bedeutete das Wort Hanse nichts anderes als eine Gruppe von Kaufleuten. Sie schlossen sich zusammen, um etwa gemeinsam zu reisen. Denn viele Wege waren für die Kaufleute alleine sehr gefährlich.

 Manche Städte tragen die Hanse noch heute im Namen. 
Manche Städte tragen die Hanse noch heute im Namen.  Foto: dpa/Markus Scholz

Die „deutsche Hanse“ jedoch hatte eine andere Qualität. Es waren zuerst vor allem Kaufleute aus Lübeck, die ein ganzes Netz von Städten aufbauten, in denen sie mit ihren Waren gut und auch erfolgreich handeln konnten.Schon früh reichten ihre Kontakte nach Russland, Norwegen, England oder Belgien. Dort nutzten die Kaufleute auch Gebäude. Sie nannten sie Kontore. Jedes Kontor war auf bestimmte Waren spezialisiert, Stoffe, Wachs und Gewürze etwa. Das berichtet André Dubisch vom Europäischen Hansemuseum Lübeck.

Die Kaufleute besaßen eigene Schiffe. Gemeinsam kämpften sie auch gegen ihre Feinde. Sie waren so reich, dass sich sogar Könige bei ihnen Geld ausliehen. Sie konnten sich prächtige Häuser bauen. Diese Gebäude aus rotem Backstein findet man immer noch in den Hansestädten an der Ostsee, zum Beispiel in Wismar, Stralsund oder Rostock.

Alle paar Jahre ein Hansetag

Alle paar Jahre verabredeten sich die Kaufleute der Hanse zu einem großen Treffen in einer ihrer Städte. Auf den später als Hansetagen bekannten Zusammenkünften sprachen sie über gemeinsame Pläne. Sie wollten unbedingt ihre Macht und ihren Einfluss vergrößern. Der erste Hansetag überhaupt fand in Lübeck statt.

Auch den letzten Hansetag gab es in Lübeck, im Jahr 1669. Zu dieser Zeit hatte die Hanse ihre besten Jahre längst hinter sich. Die Konkurrenz von Kaufleuten etwa aus England oder Holland war zu groß geworden. Außerdem wollten die Herrscher in vielen Ländern lieber selbst übers Kaufen und Verkaufen entscheiden.

Geblieben ist die Erinnerung an die mächtige Hanse. Das zeigt sich zum Beispiel auch im Namen der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa.

(dpa)