1. Karlo Clever

Aus dem Tierreich: Grottenolme werden nie erwachsen

Aus dem Tierreich : Grottenolme werden nie erwachsen

Sie sind etwa so lang wie ein kleines Lineal, also 25 bis 30 Zentimeter lang. Und vom Aussehen her erinnern die Schwanzlurche etwas an einen Aal. Die Tiere leben gut versteckt in Höhlen.

Da sitzt er und bewegt sich nicht. Wenn es sein muss, dann kann ein Grottenolm mehrere Jahre so verharren, fast bewegungslos. Das ist aber noch nicht mal das Tollste an den Tieren. Sie kommen auch mehrere Jahre ohne Nahrung aus. Grottenolme gehören zu den Schwanzlurchen und Salamandern, leben aber dauerhaft im Wasser und im Dunkeln. Denn Olme sind Höhlenbewohner!

Und das sieht man ihnen auch an. „Ihr Haut ist fast durchsichtig, denn ihnen fehlen die sogenannten Pigmente. Diese würden die Haut zum Beispiel vor der Sonne schützen. Außerdem haben sich ihre Augen weitgehend zurückgebildet“, erklärt die Forscherin Susanne Holtze.

In Europa findet man Grottenolme normalerweise nur in einer bestimmten Gegend: im sogenannten Dinarischen Gebirge. Das zieht sich unter anderem durch die Länder Slowenien und Kroatien im Südosten Europas. In dem Gebirge gibt es viele Höhlen. Dort leben die Grottenolme. Doch die Tiere bekommt man nur äußerst selten zu Gesicht. Denn die Höhlen sind schwer zugänglich. „Daher wissen wir auch viele Dinge über den Olm noch nicht“, sagt Susanne Holtze.

Allerdings kann man die Tiere auch in Deutschland beobachten. Und zwar in der Hermannshöhle im Harz im Bundesland Sachsen-Anhalt. Vor langer Zeit wurden dort einige Olme ausgesetzt. Forscher vermuten, dass die Tiere inzwischen teils über 100 Jahre alt sind. „Dass Grottenolme so alt werden, hat unter anderem mit ihrem extrem langsamen Stoffwechsel zu tun und ihrem langsamen Wachstum“, erklärt die Expertin.

Dabei werden die Tiere nie wirklich erwachsen. „Sie bleiben in einem jugendlichen Stadium stecken. Das bedeutet, sie haben das Aussehen einer Larve und behalten ihre Kiemen“, sagt Susanne Holtze. Trotzdem werden sie geschlechtsreif. Das heißt, sie können Nachwuchs bekommen.

Warum sich die Grottenolme so entwickelt haben, versuchen Forscher herauszufinden. Man vermutet, dass es etwas mit dem Lebensraum der Tiere zu tun hat. Sich in ein erwachsenes Tier zu verwandeln, erfordert viel Energie. Und Energie bekommt der Körper durch Futter. Das jedoch ist in Höhlen oft Mangelware. Daher wäre eine Verwandlung wohl zu aufwendig.

(dpa)