1. Karlo Clever

Wespenbussard: Greifvogel mit Appetit auf Wespen

Wespenbussard : Greifvogel mit Appetit auf Wespen

Mäuse, Frösche und andere kleine Tiere stehen auf dem Speiseplan vieler Greifvögel. Doch der Wespenbussard hat es auf etwas anderes abgesehen. Er frisst am liebsten Wespen.

Vorsichtig öffnet Lily Schumacher die Gittertür der Metallbox. In der hinteren rechten Ecke sitzt auf einem kleinen Ast ein seltsamer Vogel: Sein Kopf erinnert ein bisschen an den einer Taube, das Gefieder schimmert blaugrau und die Augen leuchten auffallend gelb. „Das ist ein Wespenbussard“, erklärt Lily Schumacher.

Er wurde verletzt aufgefunden und in die Greifvogelschutzstation auf Gut Leidenhausen gebracht. Die Vogelstation liegt am Rande der Stadt Köln im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dort wird der Vogel nun gepflegt und wieder aufgepäppelt. Möglichst bald soll er wieder in die Freiheit entlassen werden.

Ein Spezialist für Insekten

Der Wespenbussard gehört zu den Greifvögeln, so wie zum Beispiel der Habicht oder der Rotmilan. Doch seine Nahrung ist für einen Greifvogel ziemlich ungewöhnlich. „Die Tiere ernähren sich nämlich hauptsächlich von Wespen. Daher kommt auch sein Name“, erzählt die Tierpflegerin. Aber auch andere Insekten und deren Larven stehen auf seinem Speiseplan.

Dabei fängt der Bussard die Insekten aber nicht etwa in der Luft. Er geht meist zu Fuß auf die Jagd und gräbt die Wespennester aus dem Boden aus. Der Körper des Wespenbussards ist gut daran angepasst. Seine Krallen sind weniger stark gebogen als bei anderen Greifvögeln. Das Gleiche gilt auch für seinen Schnabel. Dieser ist relativ schmal und lang. So kann er auch die Larven der Wespen aus den Waben ziehen.

Wespen lassen sich aber nicht alles gefallen. Mit ihrem Stachel können sie sich wehren. Wer aber schon einmal von einer Wespe gestochen wurde, der weiß: Das tut ganz schön weh!

Dem Wespenbussard macht das aber meistens nicht so viel aus. Seine Füße sind zum Beispiel dick beschuppt, so dass kein Wespenstich die Haut durchdringen kann. Außerdem sind seine Nasenlöcher besonders schmal und das Gefieder rund um die Augen ist extrem dicht und steif. So ist der Wespenbussard vor Wespenstichen geschützt.

In der Greifvogelschutzstation werden die Vögel vor allem mit Küken gefüttert. Wenn es nicht genügend Wespen gibt, frisst auch der Wespenbussard mal kleinere Vögel oder zum Beispiel einen Frosch. Wespen bleiben trotzdem sein Lieblingsessen. Wenn also im Sommer viele Wespen herumschwirren, dann ist das für uns Menschen vielleicht nervig. Der Wespenbussard braucht sie aber. Viele Wespen bedeuten für ihn ein leckeres Festessen!

(dpa)