1. Karlo Clever

Karlo Clever: Gesundheitsdetektiv im Labor

Karlo Clever : Gesundheitsdetektiv im Labor

Das benutzte Wasser aus unseren Häusern landet in Kläranlagen. Es ist ganz schön dreckig. Aber nicht nur: Darin können Experten auch sehen, ob gerade viele Menschen krank sind.

Der Forscher holt zwei Fläschchen mit einer grün-braunen Flüssigkeit aus einer Kühlbox. Bloß nicht trinken! Es ist Abwasser aus einer Kläranlage. Dorthin gelangt es, nachdem wir das Wasser etwa zum Zähneputzen oder für die Toi­lette heruntergespült haben. Ausgerechnet für dieses Schmutzwasser interessieren sich Forscherinnen und Forscher.

Denn sie wollen wissen, wie stark Krankheiten verbreitet sind. Was das mit dem Abwasser zu tun hat? Wenn Menschen krank sind und aufs Klo gehen, spülen sie mit ihrem Urin und Kot oft auch die Erreger von Krankheiten herunter. Spucke kann ebenfalls solche Keime enthalten.

Im Labor untersucht der Wissenschaftler Emanuel Wyler, welche Krankheitserreger im Berliner Abwasser schwimmen. Auf 70 verschiedene testet er. Herr Wyler trägt Handschuhe, eine Maske und einen Kittel. So schützt er sich vor dem schmutzigen Wasser.

Es ist schön kühl im Labor. Denn das Abwasser darf nicht zu warm werden. Sonst lassen sich die Krankheitserreger nicht mehr aufspüren. Damit das nicht passiert, legt Herr Wyler die Probe zwischendurch auf einen Eimer voller Eis.

Als Erstes jedoch gießt er etwas Abwasser in eine Art Becher. Der hat unten ein kleines Loch. Dort tröpfelt nach einer Weile klares Wasser raus. Ein Filter hat den größeren Dreck aufgefangen. Es müffelt ein kleines bisschen.

Dann gibt der Wissenschaftler braune Kügelchen in die Flüssigkeit. Der künstlich hergestellte Stoff hilft ihm, die Erreger zu finden. Dazu braucht er außerdem verschiedene Geräte. Eine Maschine ist besonders spannend: Darin lässt der Forscher die Probe schnell im Kreis fahren, wie im Karussell. So trennt er die Erreger vom Rest.

Lange am Computer arbeiten

Nun holt Emanuel Wyler ein Gerät aus Plastik, das an eine große Spritze erinnert. Damit füllt er kleine Mengen der restlichen Flüssigkeit in einen anderen Behälter. Den stellt er in ein Gerät, das misst, ob Erreger im Abwasser waren und in welcher Menge. Um die Daten zu verstehen, müssen Herr Wyler und seine Kollegen am Ende noch lange am Computer arbeiten.

Experten sagen: Wenn man so eine Untersuchung regelmäßig macht, kann man genaue Infos über die Gesundheit der Menschen in einer Region bekommen.

Wichtig ist das zum Beispiel bei Corona. So erkennt man: Stecken sich gerade viele Menschen an oder wird die Lage besser? Helfen könnte die Untersuchung auch, falls es eines Tages eine neue Krankheit gibt. Entdeckt man den Erreger schon früh im Schmutzwasser, kann man die Ausbreitung vielleicht noch verhindern.

(dpa)