1. Karlo Clever

Hüttenwerk: Gefährlicher Beruf am Hochofen

Hüttenwerk : Gefährlicher Beruf am Hochofen

Früher stellten Arbeiter in der Völklinger Hütte Eisen her. Inzwischen ist das riesige Werk ein Weltkulturerbe. Dort kann man lernen, wie schwer und gefährlich die Arbeit dort war.

Turmhohe Schornsteine ragen in den Himmel. Riesige Hallen reichen bis zum Horizont. Schon aus der Ferne kann man in der Stadt Völklingen im Saarland ein erstaunliches und einzigartiges Bauwerk sehen: die Völklinger Hütte.

Eine Hütte? Damit ist kein kleines Haus gemeint. Hütte oder Hüttenwerk wird auch eine industrielle Anlage genannt, in der Metall gewonnen oder Keramik hergestellt wird. Die Völklinger Hütte war früher ein Eisenwerk. Hier wurden einst rund um die Uhr Unmengen von Roheisen hergestellt.

Schon seit Jahrzehnten stillgelegt

„Vor 150 Jahren entwickelte sich die Hütte zu einem der wichtigsten Eisenwerke in Europa“, erzählt Walter Altpeter. Der Fachmann führt Besucherinnen und Besucher über das Gelände der Hütte. Wir stehen in einer Halle neben riesigen Rädern. Es riecht noch ein bisschen nach Maschinenöl. Dabei ist das Eisenwerk schon seit Jahrzehnten stillgelegt. „Hier in der Gebläsehalle wurden über diese Schwungräder Luft zu den Hochöfen gepumpt“, sagt der Fachmann.

Die Hochöfen, das sind die sechs riesigen Bauten mit den Schornsteinen. In denen wurde das Eisen gewonnen. Über Gleise auf dem Boden und hängende Schienen beförderten die Arbeiter tonnenweise Eisenerz in die Öfen. „In den Öfen musste es mindestens 1200 Grad heiß sein, damit das Eisen flüssig wird und sich aus dem Erz löst“, erklärt Walter Altpeter. Wenn das Erz schließlich im Ofen schmolz, sank das schwere flüssige Roheisen allmählich nach unten ab.

Nun mussten die Arbeiter den Ofen öffnen. „Das ging nicht durch eine Ofentür, wie wir sie vielleicht von einem Herd oder Kamin kennen“, sagt der Fachmann. „Die wäre bei der Hitze sofort geschmolzen.“ Stattdessen schlugen die Leute mit einem speziellen Meißel ein Loch in die Ofenwand. Man sagte dazu: Der Ofen wird abgestochen.

Durch das Loch schoss dann das glutrote, flüssige Roheisen hinaus. Durch eine Rinne aus Sand lief die heiße Masse direkt in die Tiegel einer Lok. Die transportierte das Eisen ab. Die Arbeiter mussten den Ofen wieder mit feuerfestem Lehm verschließen. Sich so nah an einem offenen Ofen und an flüssigem Metall aufzuhalten, war lebensgefährlich!

„Diese Arbeit wurde das ganze Jahr rund um die Uhr gemacht“, erklärt Herr Altpeter. Die Öfen liefen fast ununterbrochen. Zeitweise wurden in der Völklinger Hütte pro Tag 6000 Tonnen Roheisen hergestellt. Bis zu 17.000 Menschen arbeiteten auf dem Gelände. Sie trotzten dem Lärm der Maschinen, giftigen Abgasen, der irrsinnigen Hitze – Tag für Tag.

Das Roheisen wurde gebraucht, um es zu Stahl zu verarbeiten. Doch in Deutschland wird davon nicht mehr so viel produziert. Deshalb wurde der Betrieb in der Völklinger Hütte eingestellt. Heute ist das Eisenwerk ein Industriemuseum und Weltkulturerbe.

(dpa)