Unterricht beginnt mit Gedicht: Gärtnern und tanzen in der Schule

Unterricht beginnt mit Gedicht : Gärtnern und tanzen in der Schule

Diese Fächer gehören an einer Waldorfschule zum Alltag. Ganz im Gegensatz zu Noten und Zeugnissen. Was steckt dahinter? Und wer besucht diesen besonderen Unterricht?

Der Unterricht in der Klasse 7a fängt an mit einem Gedicht: „Offen liegt das Meer, ins Blaue“ – es geht ums Seefahren, auswendig tragen die Kinder es gemeinsam vor. Danach sollen sie sich an die letzte Stunde erinnern: Was haben sie gelernt? „Meldet euch einfach“, sagt die Lehrerin. Eine Abfrage gibt es nicht, und auch keine Noten. Bis zur 9. Klasse bekommt kein Schüler eine Note an dieser besonderen Schule. Sie heißt Waldorfschule. Solche Schulen gibt es auf der ganzen Welt.

Aber geht das? Strengen sich die Kinder ohne Noten an? „Ich will mein Bestes geben“, sagt Vincent aus der 7a. „Und wir zeigen den anderen, was wir können und machen.“ Vincent spielt Gitarre. Bald wird der 13-Jährige bei einem Konzert vor allen Schülern auftreten.„Bei uns lernt man viel durch Selbermachen“, sagt Vincent. Zum Beispiel: Einen Korb flechten, gärtnern und tanzen. Schüler bauen Betten und sogar Segelboote.

Auch die Bücher sehen anders aus: Bunt, mit vielen Zeichnungen. Eigentlich sind es gar keine Schulbücher – die Kinder und Jugendlichen machen sie nämlich selbst. Sie schreiben und malen hinein, was sie im Unterricht lernen. So entsteht ihr ganz eigenes Schulbuch.

Die Schüler bleiben von der 1. Klasse bis zum Ende zusammen. Sitzen bleibt an der Waldorfschule niemand. „Meine Freunde aus der 1. Klasse begleiten mich jetzt schon fast mein ganzes Leben“, erzählt Leonie aus der 11. Klasse. Und die ersten acht Jahre unterrichtet meist derselbe Klassenlehrer die Schüler.

Ein Heft mit der Zeichnung eines Schiffs liegt in der Freie Waldorfschule Uhlandshöhe auf einem Tisch. Kunst ist wichtig an Waldorfschulen. Auch in Schulbücher darf man oft malen und hineinschreiben. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Nicht jedem gefällt der Unterricht der Waldorfschulen. Ein Vorwurf: Die Kinder haben es zu leicht – sie werden nicht richtig auf das Leben als Erwachsene vorbereitet. „In meinem Basketballverein machen sich die anderen Kinder lustig“, erzählt der 13-jährige Vincent. Sie sagen zum Beispiel, Waldorfschüler seien nicht so schlau.Fächer wie Mathe, Englisch oder Geschichte haben die Schüler an den Waldorfschulen aber auch. Am Ende machen die meisten normale Abschlüsse – zum Beispiel wie die Schüler am Gymnasium oder an der Realschule.

(dpa)
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