Forschungsmuseum in Bonn: Fröschesammeln für die Ewigkeit

Forschungsmuseum in Bonn : Fröschesammeln für die Ewigkeit

Ein Keller voller Amphibien und Reptilien? Für viele Menschen klingt das ziemlich gruselig! Manche Wissenschaftler wie Dennis Rödder und Wolfgang Böhme aber sehen das ganz anders. Sie finden dort spannende Dinge heraus.

Dieser Keller ist wie ein Labyrinth. Hier findet sich nur jemand zurecht, der sich auskennt. Denn die Räume sehen alle ähnlich aus: An jeder Wand stehen die gleichen grauen Schränke. Hinter ihren Türen verbergen sich mehr als 100.000 tote Reptilien und Amphibien, also zum Beispiel Frösche und Schlangen. Der Keller gehört zum Museum Alexander Koenig, einem Forschungsmuseum, in Bonn.

Dennis Rödder und Wolfgang Böhme kennen sich in den Gängen und Räumen bestens aus. Sie sind Herpetologen. Das heißt, sie erforschen Amphibien und Reptilien. Seit fast 70 Jahren werden hier solche Tiere gesammelt – tot und lebendig. Denn wer lebende Tiere beobachtet, kann etwas über das Aussehen und ihr Verhalten herausfinden. Wer zusätzlich tote Tiere erforscht, kann zum Beispiel mehr über den Aufbau des Skeletts und die Anordnung der Organe herausfinden.

„Es geht darum, die Lebewesen, die weltweit leben, zu dokumentieren“, sagt Wolfgang Böhme. Das sei etwa für den Tierschutz wichtig. Denn nur, wenn man etwas über eine Art wisse, könne man sie auch schützen.

Einige der gesammelten Tiere sind noch viel älter als die Sammlung selbst. Sie schwimmen in hochprozentigem Alkohol, damit sie sich nicht zersetzen. Außerdem müssen sie lichtgeschützt aufbewahrt werden, sonst kann die Farbe ausbleichen. Deshalb die Schränke. Auf diese Weise können alte Funde den Forschern von heute neue Erkenntnisse bringen. „Das zeigt, warum wir die Sammlung auf Dauer brauchen: Wir wissen doch noch gar nicht, was es in 20 Jahren für Techniken und Möglichkeiten gibt“, sagt Rödder.

Reise nach Afrika und Südamerika

Um die Tiere zu finden, reisen die Herpetologen etwa nach Afrika und Südamerika. „Gerade in unerforschten Gebieten finden wir Tiere, die wissenschaftlich noch unbekannt sind“, erzählt Wolfgang Böhme. „Die Einheimischen bringen uns auch immer wieder Tiere, wenn sie merken, dass wir auf der Suche sind“, erzählt Dennis Rödder. „Gerade giftige Schlangen werden in kleinen abgelegenen Dörfern oft zum Selbstschutz erschlagen. Die werden uns dann gebracht“, erzählt er.

90 Liter Alkohol haben die Forscher dabei, damit die Tiere direkt konserviert werden können. „Wir haben hier Tiere von 1840, die sehen aus, als wären sie vorgestern gefangen worden“, sagt Wolfgang Böhme und holt einen Frosch aus einem Glas. Es ist der einzige bekannte Frosch, der Haare am Körper trägt. Aber auch die lebendigen Frösche in der Sammlung haben ihre Besonderheiten: Der Moosfrosch etwa kann sich so gut zwischen Moos und Flechten tarnen, dass er fast unsichtbar ist. Und der Ohrenfrosch hat tatsächlich Wölbungen an der Stelle, wo das Gehör sitzt.

(dpa)
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