1. Karlo Clever

Spielerische Tests: Forschung im Affenhaus

Spielerische Tests : Forschung im Affenhaus

Wie ähnlich sind uns Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans? Fachleute aus der Verhaltensforschung beobachten die großen Menschenaffen bei spielerischen Tests.

Das kleine Bonobo-Mädchen tobt direkt vor der Glasscheibe herum, ganz in der Nähe der Zoobesucher. Doch nach ein paar Hopsern und Drehungen der Kleinen wird es Mama Luiza zu bunt. Sie packt ihre Tochter und trägt sie zurück zur Gruppe.

Wollte Luiza ihr Kind beschützen? Oder war sie genervt, dass sich die Tochter aufspielt? Wir Menschen können oft nur vermuten, warum Tiere etwas tun oder lassen. Um das Verhalten von Tieren zu durchschauen, braucht es schon echte Fachleute.

Der Psychologe Daniel Hanus ist so ein Fachmann. Er beobachtet Menschenaffen im Zoo von Leipzig. „Wir wollen genauer herausfinden, was die Affen können, welchen Nutzen ihr Verhalten hat und wie es sich entwickelt hat“, sagt Daniel Hanus.

Dazu gibt es auf der anderen Seite des Geheges mehrere Räume, in denen die Forscher mit den Affen tagtäglich Tests machen können. „Wir öffnen ein Tor zum Testraum und hoffen, dass die Affen Lust haben, sich mit uns zu beschäftigen“, erklärt der Psychologe. Dressiert sind die Tiere nicht. Sie müssen bei den Tests freiwillig mitspielen.

So werden die Tests gemacht

Einer solcher Tests sieht zum Beispiel so aus: Eine gläserne Röhre ist an einer Oberfläche festgeschraubt. In das Rohr lässt ein Wissenschaftler eine Erdnuss fallen. Der Affe kommt mit seinen Fingern nicht an die Nuss heran. Dafür ist das Rohr zu hoch. Wie gelingt es dem Tier, an sein Futter zu kommen?

In allen Tests werden die Affen mit einem Snack belohnt. Den gilt es etwa mit Hilfe eines Werkzeugs, durch die Zusammenarbeit mit einem anderen Affen oder durch eine gute Idee zu ergattern. Die Forscher ziehen dann Schlüsse auf die geistige Fähigkeit der Menschenaffen.

 Orang Utans sind besonders clever.
Orang Utans sind besonders clever. Foto: Roland Weihrauch

Außerdem wollen sie erkunden, ob ein tierisches Verhalten angeboren oder gelernt ist. „Das ist nicht immer leicht herauszufinden und viel hängt von der Auswahl des richtigen Tests ab“, sagt Daniel Hanus. „Aber wir können unseren Affen schlecht Fragen stellen oder sie einen Fragebogen ausfüllen lassen.“

Stattdessen zeigen die Tiere spielerisch, welche Herausforderungen sie meistern können. Und sie bewältigen die Aufgaben dabei ganz unterschiedlich. Wie etwa bei dem Test mit der Erdnuss in der Röhre. „Die Leipziger Schimpansen haben die Aufgabe nicht spontan lösen können“, sagt Daniel Hanus. „Einige Orang-Utans hingegen sind sofort zu ihre Tränke gegangen. Dann haben sie Wasser in die Röhre gespuckt, bis die Erdnuss weit genug oben schwamm und die Affen an sie herankamen.“

Manchmal untersuchen die Verhaltensforscher auch, wie sich Menschen bei ihren Tests schlagen. Die Erdnuss-Röhren-Aufgabe gehört dazu. „Kleinere Kinder konnten mit der Aufgabe gar nichts anfangen“, erzählt der Fachmann. „Erst unter den Achtjährigen kam etwa die Hälfte auf die Idee, die Röhre mit Wasser zu füllen.“

(dpa)