1. Karlo Clever

Mit Gummistiefeln durch den schlammigen Boden: Eine Tour durch das Wattenmeer

Mit Gummistiefeln durch den schlammigen Boden : Eine Tour durch das Wattenmeer

Sie kennen sich aus in einer besonderen Gegend in der Natur und lotsen Urlauber an der Nordseeküste sicher durch ein Terrain, das das Meer bei Ebbe freigibt. Unterwegs mit einem Wattführer

Es quietscht und schmatzt! Bei jedem Schritt versinken die Gummistiefel von Albertus Akkermann im schlammigen Boden. Er läuft durch das Watt an der Nordseeküste vor der Insel Borkum. Das geht nur, weil gerade Ebbe herrscht. Anstelle des Meeres ist jetzt nur das graubraune Watt zu sehen, also Sand und Schlick.

Herr Akkermann ist nicht allein unterwegs. Eine Schulklasse mit ihren Lehrern stapft hinter ihm her. Herr Akkermann ist von Beruf Wattführer. Seine Aufgabe ist es, Urlaubern die Tiere und Pflanzen im Wattenmeer zu zeigen. Und er muss dafür sorgen, dass ihnen nichts passiert.

Mit den Schülern macht Herr Akkermann erst einmal ein Experiment: Zusammen graben sie vorsichtig Herzmuscheln aus dem Watt aus und legen sie in eine Pfütze. Zunächst passiert nichts. Doch nach einer Weile öffnen die Muscheln vorsichtig ihre Schalen. Blasen steigen im Wasser auf.

Wenige Minuten später beobachten die Schüler, wie sich die Muscheln im Boden eingraben. „Das machen sie, um sich vor Feinden zu schützen und damit sie nicht bei Flut weggespült werden“, erklärt Herr Akkermann.

Er kennt sich sehr gut mit dem Watt und seinen Bewohnern aus. Das musste er auch in einer Wattführer-Prüfung beweisen. Trotzdem darf er nicht überall an der Nordsee arbeiten. Das hat einen besonderen Grund: Das Wattenmeer ist an jedem Abschnitt der Küste anders.

Hinzu kommt: Die Meeresströmung und der Wind verändern das Watt ständig. So entstehen immer wieder neue Flüsse und Wasserrinnen im Watt. Sie heißen Priele. An einigen Stellen siedeln sich auch Muscheln an. Die sollen Urlaubern nicht in die Füße piksen, wenn sie barfuß unterwegs sind. „Deshalb kann ich bei meinen Wattwanderungen heute nicht mehr die gleiche Strecke laufen wie vor 30 Jahren“, erklärt Albertus Akkermann. Er muss sich immer gut auskennen.

Herr Akkermann passt genau auf, dass die Schüler nicht versehentlich an eine falsche Stelle treten. Kein Schüler darf sich zu weit von der Gruppe entfernen. Das ist nicht so einfach, denn häufig sind eine Menge Leute mit ihm unterwegs.

Natürlich kann sich Herr Akkermann nicht immer alle Gesichter von den Schülerinnen und Schülern merken, die mit ihm unterwegs sind. Die Kinder und Jugendlichen erinnern sich aber oft an ihn. „Manchmal kommen Lehrer zu mir und erzählen, dass sie schon als Kinder mit mir im Watt waren“, erzählt der Wattführer.

(dpa)