1. Karlo Clever

Transportweg ohne Staus: Eine Reise mit dem Güterzug

Transportweg ohne Staus : Eine Reise mit dem Güterzug

Die Autobahnen sind voll mit Lastwagen, die Güter in verschiedene Länder bringen. Es gibt aber auch einen Transportweg ohne Staus: Mit dem Zug! Das geht jetzt sogar noch einfacher.

Die Bremsen hat Marek de Haan schon überprüft. Alles in Ordnung! Auch der Fahrplan für den Lokführer liegt schon bereit, genauso wie die wichtigen Frachtpapiere. In denen steht etwa, was in einem Güterwagen drin ist und wo seine Reise hingeht. Alles da!

Als die Ampel auf Grün wechselt, bewegt Lokführer Marek de Haan den Gashebel. Langsam setzt sich die rote Lok in Bewegung – und mit ihr 36 schwer beladene Güterwagen. 663 Meter ist der Güterzug lang und super schwer. Aber das bemerkt man vorne in der Lok kaum. Nur leise surrt der Motor. Langsam rollt der Zug aus dem Güterbahnhof der Stadt Köln. Sein Ziel liegt mehrere Hundert Kilometer entfernt in den Niederlanden. Zum Güterbahnhof Kijfhoek geht die Reise, nahe dem riesigen Hafen der Stadt Rotterdam.

Marek de Haan ist normalerweise allein unterwegs. Doch an diesem Tag hat er Gesellschaft bekommen: von einer Reporterin und von Ralf Koch. Der arbeitet bei der Güterbahn der Deutschen Bahn und erklärt unterwegs, was es mit den Signalen entlang der Schienen auf sich hat. Sie zeigen dem Lokführer zum Beispiel an, mit welcher Geschwindigkeit er fahren darf und ob der Zug anhalten muss.

Früher war es kompliziert, einen Güterzug von einem Land in ein anderes fahren zu lassen. „Denn in den einzelnen Ländern haben zum Beispiel die Stromleitungen eine unterschiedlich starke Spannung“, erklärt Ralf Koch. Und in jedem Land gibt es eine andere Technik – für den Funk, für die Signale und für die Sicherheit. Deshalb musste man immer an einem Bahnhof kurz vor der Grenze anhalten und die Loks vor den Güterwagen tauschen. Das kostete Zeit und war sehr aufwendig.

Heute geht es oft einfacher. Denn es wurden Loks gebaut, die in verschiedenen Ländern funktionieren. Sie können sich an die unterschiedlichen Spannungen und Techniken anpassen. Die rote Lok vorne am Güterzug von Marek de Haan ist so eine. Es ist eine Vectron-Lok, die erst seit kurzer Zeit im Einsatz ist.

Kurz vor der Grenze fährt der Lokführer den Stromabnehmer herunter. Diese Art Stange verbindet die Lok mit der Stromleitung über ihr. Ist der Stromabnehmer abgesenkt, bekommt die Lok keine Energie mehr. „Jetzt fahren wir gerade nur noch mit Schwung“, sagt Ralf Koch.

Dann legt der Lokführer einen Schalter um. Die Bildschirme, auf denen zuvor die Geschwindigkeit und andere Daten angezeigt wurden, werden kurz schwarz. Einen Moment später leuchten sie wieder auf – und sehen plötzlich ganz anders aus. Die Lok hat jetzt sozusagen ihr Programm gewechselt, das ist so ähnlich wie am Computer.

Nun kann der Lokführer den Stromabnehmer wieder ausfahren, die Lok bekommt neuen Strom - und weiter geht die Fahrt.

(dpa)