1. Karlo Clever

Wasserkraft: Eine Mauer mitten im Fluss

Wasserkraft : Eine Mauer mitten im Fluss

Sie sind riesengroß und beliefern uns Menschen mit Energie. Die Rede ist von Staudämmen. Wo sie gebaut werden, hat das aber oft schlimme Folgen für die Natur.

Wenn er bald fertig ist, wird er der größte Staudamm auf dem ganzen afrikanischen Kontinent sein. Der Große Renaissance-Staudamm im Land Äthiopien sieht schon jetzt gigantisch aus. Er staut den Fluss Nil auf. Dieser schlängelt sich durch viele afrikanische Länder und gehört zu den längsten Flüssen der Welt.

Entlang des Flusses gibt es bereits mehrere riesige Staudämme. Nun ist eine weitere gewaltige Mauer samt Wasserkraftwerk hinzugekommen. Mit dessen Hilfe will Äthiopien in Zukunft jede Menge Energie gewinnen. Bald soll die Mehrheit der Menschen in dem armen Land durch diesen Staudamm mit Strom versorgt werden.

Naturschützer sehen solche Projekte kritisch. „Ein Staudamm ist nichts anderes als eine riesige Barriere mitten im Fluss. Der Lebensraum Fluss verliert sein eigentliches Wesen“, sagt Theresa Schiller von der Natur- und Umweltorganisation WWF.

So eine Barriere hat Folgen für die Natur. Aus dem Fluss wird oft ein stehendes Gewässer, also ein See. „Stehende Gewässer erhitzen sich aber stärker als Fließgewässer“, erklärt die Expertin. „Und je wärmer ein Gewässer ist, umso weniger Sauerstoff kann es bereithalten. Das hat oft gravierende Folgen für die Lebewesen im Fluss.“

Für den Stausee werden zudem oft große Flächen Land überflutet. Ein Problem sei, dass diese Flächen vorher häufig nicht gerodet würden, sagt Theresa Schiller. Dadurch verrotten die Bäume direkt im Wasser. Das passiert durch Bakterien, die dazu Sauerstoff benötigen. Für Fische und andere Wassertiere bleibe kaum Sauerstoff übrig, sagt sie.

 In besonders trockenen Jahren tauchen in Spanien Teile des alten Dorfes Aceredo auf, das überflutet wurde, als ein Wasserkraftwerk das Tal überschwemmte.
In besonders trockenen Jahren tauchen in Spanien Teile des alten Dorfes Aceredo auf, das überflutet wurde, als ein Wasserkraftwerk das Tal überschwemmte. Foto: dpa/Emilio Morenatti

Es gebe noch weitere Probleme, sagt Theresa Schiller. Durch die Staudämme werden die Wanderwege der Fische unterbrochen. Viele Tiere sterben zudem in den Turbinen der Kraftwerke, erklärt sie. Durch all diese Dinge sind Fischarten vom Aussterben bedroht oder sind schon ausgestorben.

Nicht nur in Afrika werden große Staudämme gebaut. Man findet sie fast überall auf der Welt: in China zum Beispiel oder in Südamerika. „Oft an Orten, die eigentlich streng unter Naturschutz stehen“, sagt Theresa Schiller. Auch in Europa entstehen neue Staudämme, zum Beispiel in unserem Nachbarland Polen.

„Wasserkraft ist längst nicht so grün und umweltfreundlich wie ihr Ruf“, sagt die Fachfrau. Zwar werden bei der Stromproduktion direkt keine klimaschädlichen Gase erzeugt. Aber die Folgen für die Natur sind oft groß. Daher fordern Naturschützer, dass keine neuen Wasserkraftwerke mehr gebaut werden. Alte Anlagen sollten zurückgebaut werden, finden sie.

(dpa)