1. Karlo Clever

Anna Dorothea Therbusch: Eine Malerin bedeutender Leute

Anna Dorothea Therbusch : Eine Malerin bedeutender Leute

Frauen, die früher Künstlerinnen sein wollten, hatten es nicht leicht. Im 18. Jahrhundert schaffte es Anna Dorothea Therbusch trotzdem, eine große Porträtmalerin zu werden.

Schwarze Kleidung, ernster Blick und eine Brille mit nur einem Glas: So schaut einen die Frau auf dem Gemälde an. Zu sehen ist hier eine große Malerin: Anna Dorothea Therbusch. Sie wurde vor fast 300 Jahren geboren.

Auf dem Bild hat sie sich selbst gemalt. „Das Augenglas gibt den Hinweis darauf, dass es sich hier um eine gebildete Frau handelt“, sagt Yvette Deseyve. Die Expertin weiß, dass es sich um das letzte Bild handelt, das Anna Dorothea Therbusch gemalt hat. „Das war kurz vor ihrem Tod, da war sie etwa sechzig Jahre alt.“

Zu diesem Zeitpunkt war Anna Dorothea Therbusch eine anerkannte Porträtmalerin. Sie malte bedeutende Leute aus der Berliner Gesellschaft und vom königlichen Hof. Für eine Frau war das etwas Besonderes. Denn bei den großen Malern dieser Zeit handelte es sich größtenteils um Männer.

„An den Kunstakademien wurden damals kaum Frauen angenommen“, erklärt die Expertin. Anna Dorothea Therbusch erlernte die Malerei von ihrem Vater. Der war ebenfalls ein angesehener Porträtmaler.

Arbeiten konnte die Malerin jedoch lange nicht. „Nachdem sie geheiratet hatte, musste sie sich um die drei Kinder kümmern“, erzählt Frau Deseyve. Außerdem heißt es, die Schwiegermutter habe der Künstlerin das Malen verboten. Frauen sollten für Familie und Haushalt zuständig sein. Diese Meinung teilten damals viele Menschen.

Erst als die Schwiegermutter starb und die Kinder groß waren, konnte Anna Dorothea Therbusch sich mit der Hilfe ihres Mannes ganz der Malerei widmen. „Da war sie schon über vierzig Jahre alt“, erzählt Yvette Deseyve.

An einer Akademie in der Stadt Paris wollte Anna Dorothea Therbusch zur „Malerin des Königs“ werden. Das war damals eine sehr wichtige Auszeichnung. Angenommen wurde sie an der Kunstschule jedoch nicht sofort. Der Grund: Das Bild, mit dem sie sich beworben hatte, soll „zu gut für eine Frau“ gewesen sein. Außerdem fand man die Künstlerin zu stolz. „Eine Frau hatte vor allem hübsch und kokett zu sein. Das war Therbusch aber nicht so sehr“, erklärt Frau Deseyve.

Im zweiten Versuch schaffte Anna Dorothea Therbusch die Aufnahme dann doch. „Allerdings durfte sie als Frau nicht am Aktstudium teilnehmen“, sagt die Expertin. Beim Aktstudium lernt man anhand von nackten Menschen, wie man Körper zeichnet. Für Frauen gehörte sich das angeblich nicht. Anna Dorothea Therbusch übte das Zeichnen von nackten Modellen dann einfach bei sich zu Hause.

(dpa)