1. Karlo Clever

Polaroid: Eine Kamera, die Bilder „ausspuckt“

Polaroid : Eine Kamera, die Bilder „ausspuckt“

Die Polaroid hat das Fotografieren vor 75 Jahren verändert. Statt wie bisher ewig zu warten, bekamen die Leute das Papier-Foto gleich in die Hand. Diese Technik ist wieder beliebt.

Einmal den Auslöser gedrückt oder auf den Bildschirm getippt: Schon ist das Foto zu sehen. So schnell und einfach wie heute konnte man früher keine Fotos machen.

Bevor digitale Bilder mit Hilfe von Computertechnik erfunden wurden, entstanden Fotografien in einem chemischen Vorgang. Dafür wurde ein lichtempfindlicher Film aus biegsamem Kunststoff in eine Kamera eingelegt und Bild für Bild belichtet. Danach wurde der Film in einem Fotolabor mit chemischen Flüssigkeiten behandelt und auf Fotopapiere übertragen. Das dauerte seine Zeit.

Dann aber führte vor 75 Jahren im Land USA der Experte Edwin Land seine Erfindung vor: die Polaroid-Kamera. Die spuckte sofort ein Papier-Foto aus, nur wenige Momente, nachdem man auf den Auslöser gedrückt hatte.

„Die Kamera selbst war dabei gar nichts Besonderes“, erklärt der Foto-Fachmann Bernd Lüke. „Die Neuheit war der Film!“ Denn in den neuen Papier-Fotos steckte sozusagen ein ganzes Fotolabor mit drin.

Ein typisches Polaroid-Foto besteht aus einer quadratischen Fläche, die aus mehreren dünnen Schichten besteht. Auf dieser Fläche entsteht das Bild. Darunter befindet sich ein breiter weißer Streifen.

„In dem Streifen steckt eine chemische Flüssigkeit“, erklärt Bernd Lüke. „Sie wird zwischen die Foto-Fläche gepresst, wenn die Kamera das Foto hinauswalzt.“ Die Stoffe in der Flüssigkeit sorgen dafür, dass Farben und Kontraste auf der Fotofläche entstehen. Andere Stoffe stoppen die chemische Reaktion rechtzeitig. Sonst würde das zunächst helle Foto immer dunkler werden, bis man nichts mehr erkennt.

Die Entstehung des Bildes wirkt dabei beinahe wie Zauberei: Nur Sekunden, nachdem das Polaroid aus der Kamera gerutscht ist, erscheinen auf der weißen Fotofläche erste graue und gelbliche Flecken und Umrisse. Diese werden langsam dunkler und deutlicher. Nach und nach zeigen sich immer mehr Farben.

Ungeduldige Leute wedeln das Foto dann gern in der Luft herum. Das soll die chemischen Stoffe schneller auf dem Bild verteilen. Andere lassen das Polaroid einfach ruhig liegen, bis es fertig ist. Das Ganze dauert so oder so etwa eineinhalb Minuten.

Die Polaroid-Technik wurde damals vor 75 Jahren sofort ein Erfolg und sehr beliebt. Wer ohne langes Warten ein Foto wollte, benutzte diese Form der Fotografie. Auch heute noch mögen viele Leute die Magie der Fotos, die direkt vor ihren Augen entstehen.

Allerdings geht es jetzt nicht mehr um die Schnelligkeit. Ganz im Gegenteil, meint Bernd Lüke: „In Zeiten, in denen jeder ständig unzählige Fotos knipsen und vervielfältigen kann, wirken die Polaroids wertvoller.“ Denn jedes Polaroid ist einzigartig.

(dpa)