1. Karlo Clever

Troja: Eine glückliche Begegnung

Troja : Eine glückliche Begegnung

Geboren wurde er vor 200 Jahren im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Er war Kaufmann. In die Geschichte aber ging er als Entdecker der Stadt Troja ein: Heinrich Schliemann.

Heinrich Schliemann ist zu spät! Das Schiff hat schon abgelegt. Jetzt muss er zwei Tage auf das nächste warten. Zum Glück - wie sich später herausstellen soll. Denn beim Warten trifft Heinrich Schliemann einen Mann namens Frank Calvert. Und dieser Brite erzählt ihm etwas: Er berichtet von Troja!

Die sagenumwobene Stadt soll vor vielen Tausend Jahren Schauplatz eines gewaltigen Krieges gewesen sein. So kann man es zumindest in einer berühmten Geschichte nachlesen, der Ilias. Geschrieben hat die Geschichte der antike Schriftsteller Homer. Homer berichtet davon, dass Troja zehn Jahre lang von einem griechischen Heer belagert wurde. Am Ende können die Griechen die Stadt dank eines Tricks einnehmen.

Frank Calvert glaubt, die geheimnisvolle Stadt gefunden zu haben. Er vermutet, dass die Ruinen auf einem Hügel namens Hisarlik zu finden sind. Frank Calvert hat auch schon selbst danach gegraben, aber vergebens. Und jetzt ist ihm das Geld ausgegangen. Er kann Heinrich Schliemann überzeugen, sich auf die Suche zu machen. Auch er interessiert sich nämlich sehr für die Geschichte von Troja.

Und tatsächlich: Heinrich Schliemann findet die Stadt, auch wenn bis heute nicht endgültig bewiesen werden kann, ob Homers Geschichte wirklich einen wahren Kern hat und dort stattfand.

Dennoch: Die Entdeckung macht Heinrich Schliemann weltberühmt. Dass er damals den Ruhm abbekam, wirkt ein wenig ungerecht. Schließlich hatte nicht Heinrich Schliemann die Idee, sondern Frank Calvert. „Eines muss man Schliemann aber zugutehalten: Er ging mit einer wissenschaftlichen Frage und einer ungeheuren persönlichen Energie vor. Anderen Forschern dieser Zeit ging es vor allem um Schätze und Statuen. Das war bei Schliemann anders“, sagt der Forscher Ernst Pernicka. Er hat viele Jahre lang die Ausgrabungen auf dem Hügel Hisarlik geleitet. Bis heute wird an dem Ort in der heutigen Türkei gegraben und geforscht.

 Berlin: Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, zeigt ein Gefäß mit Eulengesicht, das von Schliemann in Troja gefunden wurde.
Berlin: Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, zeigt ein Gefäß mit Eulengesicht, das von Schliemann in Troja gefunden wurde. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Das Besondere an Hisarlik: Der Hügel ist regelrecht gewachsen. Denn Troja war rund 4000 Jahre lang besiedelt. Häuser wurden abgerissen und neue darauf gebaut. So wurde der Hügel nach und nach immer höher. „Diesen Hügel hat Schliemann wie eine Art Torte angeschnitten. Er hat eine gewaltige Schneise mittendurch geschlagen“, erklärt Ernst Pernicka. Diese Schneise ist etwa 40 Meter lang, 20 Meter breit und bis zu 17 Meter tief.

Mit diesem Graben hat Heinrich Schliemann viel zerstört, andererseits hat er sich aber auch durch alle Besiedlungsschichten gegraben. Und das ist für die Forscher von heute ein Glücksfall. Denn sie können dadurch alle Schichten untersuchen. (dpa)

(dpa)