1. Karlo Clever

Bernstein-Fossilien: Eine Fliege aus der Zeit der Dinos

Bernstein-Fossilien : Eine Fliege aus der Zeit der Dinos

Welche Pflanzen wuchsen zur Zeit der Dinosaurier? Wissenschaftler beschäftigen sich mit dieser Frage. Besonders viel über Millionen Jahre alte Blumen erfahren sie durch Bernstein.

Es ist ein wirklich uralter Trick der Natur. Schon zur Zeit der Dinosaurier sonderten Nadelbäume klebriges Harz ab, um ihre Wunden zu verschließen. Die zähen Tropfen wurden hart und fielen zu Boden. Sie wurden im Laufe von Millionen Jahren von immer mehr Schichten ohne Luft bedeckt und wurden so zu Bernstein.

Dieser oft goldbraune und durchsichtige Stein ist eigentlich überall auf der Welt zu finden. Bei uns taucht er vor allem an den Stränden von Ostsee und Nordsee auf.

Bernstein hat im Gegensatz zu Pflanzen-Fossilien wie etwa versteinerten Farnblättern riesige Vorteile für Forscherinnen wie der Paläobotanikerin Eva-Maria Sadowski. Die im Bernstein eingeschlossenen Überreste sind deutlich feiner und nicht platt. Man kann ihre Form also von allen Seiten betrachten.

 Die Wissenschaftlerin Eva-Maria Sadowski untersucht mit Hilfe von Bernstein Pflanzen, die vor Millionen Jahren hier zu Hause waren.
Die Wissenschaftlerin Eva-Maria Sadowski untersucht mit Hilfe von Bernstein Pflanzen, die vor Millionen Jahren hier zu Hause waren. Foto: dpa/Carola Radke

Dabei entdeckt Eva-Maria Sadowski eine ganze Menge: „Harz ist sehr zähflüssig. Darin bleiben Insekten, aber auch Pollen oder kleine Blüten wunderbar kleben. Diese Einschlüsse erzählen uns viel über die urzeitliche Pflanzenwelt“, erklärt sie. Beides veränderte sich im Laufe der Geschichte der Erde immer wieder.

Für ihre Spurensuche nutzt sie zum Beispiel Bernstein aus der großen Sammlung des Berliner Naturkunde-Museums. Außerdem schicken Sammler aus aller Welt ihre Stücke. Fachleute schätzen allerdings: Nur in etwa jedem tausendsten Bernstein stecken richtig spannende Überreste.

Unter ihrem speziellen Mikroskop betrachtet Eva-Maria Sadowski darin kleine Pilze, zarte Blüten und sogar Pollen. Selbst winzige Milben, die einst gefiederten Sauriern viel Jucken bereiteten, kann sie so entdecken. „Durch solche Funde lernen wir viel über den Lebensraum und das Klima vergangener Tage“, sagt die Forscherin.

Besonders interessante Bernsteinfunde kommen
zum Beispiel aus dem Land Myanmar in Asien. Sie sind etwa 100 Millionen Jahre alt. Zu dieser Zeit regnete es häufiger und es entstanden richtige Jahreszeiten. Pflanzenfressende Dinosaurier konnten sich nun in Gras wälzen und Blüten fressen. Pollen und Blüten aus dieser Zeit finden sich gut erhalten im Bernstein.

Auch in Bernstein aus Europa lassen sich tolle Entdeckungen machen. Zusammen mit Kolleginnen hat Eva-Maria Sadowski zum Beispiel eine fleischfressende Pflanze gefunden. Die 34 bis 38 Millionen Jahre alte Pflanze war ebenfalls eingeschlossen in Bernstein.

(dpa)