1. Karlo Clever

Spinnen: Eine Alarmanlage aus Fäden

Spinnen : Eine Alarmanlage aus Fäden

Spinnennetze sind faszinierend und praktisch zugleich. Was die Krabbeltiere da bauen, ist nicht nur wichtig für die Nahrungsaufnahme, sondern dient auch als Stolperdraht.

Hast du dir schon mal ein Spinnennetz aus der Nähe angeschaut? Meist schrecken wir vor den Erbauern zurück, dabei sind Spinnen wirklich faszinierende Handwerker! Wie viele Spinnenarten es genau gibt, ist nicht ganz klar.

Pascal Marty ist Biologe im Zoo Zürich. Er meint, dass mehr als 100.000 Spinnenarten auf der Welt leben. So unterschiedlich wie die vielen Spinnen sind auch die Netze, die sie bauen.

Auch große Spinnen nutzen Netze

Wir kennen meist die Netze, mit denen Spinnen ihr Futter fangen wollen. Sie bauen diese Netze in Pflanzen oder in Zimmerecken. Die Netze sehen sehr gleichmäßig aus und sind oft klebrig. Insekten übersehen sie und verfangen sich da­rin. Die Kleb­rigkeit hat aber noch eine andere Funktion: „Wenn sich ein Beutetier wehrt, sorgt die Klebeschicht dafür, dass es sich in den Fäden verheddert und schlechter bewegen kann.“

Je größer die Spinne ist, umso eher könne sie ihre Beute ohne Netz fangen, sagt Herr Marty. Trotzdem
nutzen auch sehr große Spinnen Netze. „Viele Vogelspinnen zum
Beispiel kleiden damit ihre Wohnhöhle aus.“ Diese Wohnnetze sehen wie ein sehr feiner weicher Stoff aus.

„Manche Spinnen haben auch eine Art Alarmanlage aus Fäden entwickelt“, erklärt Pascal Marty. „Das kann man sich vorstellen wie Stolperdrähte, die mit dem Spinnennetz verbunden sind. Wenn ein Tier darüber stolpert, spürt die Spinne die Vibration im Netz und weiß, wo sich die Beute befindet.“

Spinnennetze sind sehr reißfest

Das alles geht mit den dünnen Fäden, weil sie enorm stabil sind. Ein Spinnennetz ist viel reißfester als ein gleichdünner Faden aus Stahl und viel dehnbarer, sagt Pascal Marty. Natürlich können wir uns nicht an einen Spinnenfaden hängen wie Spiderman. „Aber kleine, leichte Spinnen können ihre Fäden tatsächlich nutzen, um sich fortzubewegen. Sie hängen ihre Fäden in die Luft und lassen sich daran mitziehen.“

Ihre Fäden brauchen diese achtbeinigen Handwerker nicht nur als Baustoff. Sie kommunizieren auch damit. „Die Spinnenfäden können mit Duftstoffen versehen sein.“ Wie ein Hund, der sein Revier markiert. „Männliche Spinnen können daran erkennen, ob hier ein Weibchen auf Partnersuche wohnt.

Weibchen erkennen an der spezifischen Bewegung, ob es eine männliche Spinne ist, die gerade ihr Netz betritt.“

(dpa)