Bilder, die ein Leben lang halten: Ein Tattoo will gut überlegt sein

Bilder, die ein Leben lang halten : Ein Tattoo will gut überlegt sein

Viele Menschen tragen Tätowierungen, manche sogar richtig große. Sie werden gestochen von Leuten wie Paula. „Ich gebe den Leuten ein Bild, das sie ihr ganzes Leben lang mittragen.“

Paula breitet Papier auf der Liege aus. Dann verpackt sie die Armlehne in Folie und zieht eine Plastiktüte über eine Lampe. „Alles was ich während des Tätowierens anfasse, muss hygienisch verpackt sein, damit es kein Infektionsrisiko gibt“, erklärt sie. Ellen schaut ihr zu. Die 39-Jährige bekommt heute ihr erstes Tattoo.

„Es darf auch was Größeres werden“, sagt Ellen. „Wir fangen erstmal klein an und schauen dann beim nächsten Termin weiter“, antwortet Paula. Ihr ist wichtig, dass die Kunden gut überlegen, was sie in ihrer Haut verewigen. Schließlich geht es nicht wieder weg. Deshalb kann man sich frühestens mit 18 Jahren bei ihr ein Tattoo stechen lassen.

Paula hat Kunst studiert. Eine Freundin brachte sie darauf, dass sie durch Tattoos mit ihrem Talent Geld verdienen könnte. „Ich wäre da niemals drauf gekommen. Aber das Tätowieren vereint die Dinge, die mir wichtig sind: die Arbeit mit Menschen und das Zeichnen“, erzählt die 32-Jährige.

Mit einem speziellen Stift zeichnet sie einen Entwurf auf Ellens Arm. Dann wischt sie ihn wieder weg und zeichnet neu. Zwischendurch geht Ellen zum Spiegel und schaut sich die Zeichnung an. Das machen die beiden so lange, bis es sich für Ellen „genau richtig“ anfühlt. Es sind fünf feine Ringe, die sich um Ellens Arm winden. „Sie stehen für mich und meinen Mann und unsere drei Kinder“, sagt Ellen.

Die Menschen lassen sich von Paula aus den unterschiedlichsten Gründen tätowieren. „Einige Menschen finden es einfach schön, und bei anderen hat es eine tiefe Bedeutung: Erinnerungen an Verstorbene, wichtige Lebensstationen oder eine besondere Herausforderung, die gemeistert wurde“, erzählt Paula.

Sie zieht sich schwarze Gummihandschuhe an, und Ellen macht es sich auf der Liege bequem. Paula taucht die Nadel in schwarze Tinte und sticht damit vorsichtig in Ellens Haut. Die meisten Tätowierer nutzen eine Tätowiermaschine, die 10.000 Stiche pro Minute macht. Paula nutzt eine Technik, die sich „Handpoke“ nennt. Das braucht eine Zeit, weil sich das Bild Punkt für Punkt zusammensetzt.

„Ich gebe den Leuten ein Bild, das sie ihr ganzes Leben lang mittragen. Das ist etwas Besonderes“, findet Paula.

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