1. Karlo Clever

Segeln: Ein Tag auf hoher See

Segeln : Ein Tag auf hoher See

Später einmal will Kilian Hof als Lehrer arbeiten. Doch gerade macht er etwas ganz anderes: Er reist mit einem großen Schiff in die Karibik. Hier berichtet er, wie sein Tag dort abläuft.

ch befinde mich mitten auf dem Atlantik. Ringsherum nur Wasser. Und das schon seit Tagen. Ich segle von Frankreich bis in die Karibik. Um vier Uhr morgens, also mitten in der Nacht, beginnt meine Wache. Die erste Stunde muss ich steuern und aufpassen, dass das Schiff nicht vom Kurs abkommt. Danach laufe ich über das Deck und kontrolliere alle Segel. Heute haben wir acht Segel gesetzt. Wenn eins gerissen ist oder komisch aussieht, muss ich das unserem Offizier melden.

Mittlerweile ist es sechs Uhr und die Sonne geht am Horizont auf. Jeden Tag können wir wundervolle Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge beobachten. Unsere Wache bereitet jetzt erst einmal das Frühstück vor. Wir schnippeln Früchte, backen Brot und stellen den Käseteller auf den Tisch. Wichtig ist, dass wir alle Teller auf Gummimatten stellen, damit nichts vom Tisch rutscht. Das Schiff schwankt ununterbrochen, auch beim Frühstück.

Um acht Uhr ist Wachwechsel. Wir haben jetzt acht Stunden Freizeit. Nachdem ich gefrühstückt habe, gönne ich mir eine Dusche. Das heißt: Ich ziehe Eimer voller Salzwasser aus dem Meer und kippe sie mir über den Kopf. Danach lege ich mich an ein sonniges Plätzchen und faulenze. Ich lese, spiele Schach oder beobachte das Meer.

 Vom Mast geht es ziemlich tief hinab!
Vom Mast geht es ziemlich tief hinab! Foto: dpa

Wenn ich Glück habe, sehe ich fliegende Fische. Die gleiten über der Meeresoberfläche durch die Luft und tauchen dann pfeilschnell wieder ab. Einmal habe ich sogar einen Wal gesehen. Er schwamm unter der Wasseroberfläche und sah aus wie der große Schatten eines Flugzeugs.

Die zweite Wache des Tages beginnt für mich um vier Uhr nachmittags. Wir müssen heute Seile reparieren. Das nennt man takeln und spleißen. Damit kann man ausgefranste Seile zusammenbinden oder zwei Seile zu einem zusammenflechten. Der Wind ist jetzt viel stärker als heute Morgen, und der Kapitän hat angeordnet, zwei Segel einzupacken. Sonst würde das Schiff zu stark zu schaukeln anfangen.

 Kilian Hof ist auf einem Schiff Richtung Karibik unterwegs.
Kilian Hof ist auf einem Schiff Richtung Karibik unterwegs. Foto: dpa

Das Einpacken der Segel schaffen wir mit unserer Wache aber nicht alleine. Wir brauchen alle Menschen, die an Bord sind. Alle hören auf das Kommando unserer Bootsfrau. Sie kennt sich am besten aus. Wir ziehen an den Seilen, aber eines hat sich eingeklemmt. Unsere Bootsfrau klettert hoch in den Mast und löst das Problem. Wir ziehen noch einmal an den Seilen und endlich ist das Segel an Deck. Jetzt müssen wir es nur noch wie eine Hose zusammenfalten.

Alle zusammen genießen wir nach einem anstrengenden Tag das Essen, die untergehende Sonne und das Plätschern der Wellen. Um 20 Uhr übergeben wir das Ruder an die Nachtwache. Schnell verschwinden wir in unseren Kojen, denn um halb vier werden wir wieder geweckt. Morgen ist der nächste Tag auf hoher See.

(dpa)