1. Karlo Clever

Bramsche: Ein Superstar zieht nach Germanien

Bramsche : Ein Superstar zieht nach Germanien

Dieser Mann sollte es den Germanen zeigen. Er sollte die Schmach der Römer vergessen machen. Sein Name: Germanicus. Germanicus war ein berühmter römischer Feldherr vor etwa 2000 Jahren.

Was war passiert? In der sogenannten Varus-Schlacht hatten die Römer zuvor erbittert gegen die Germanen gekämpft. Dabei war etwas Unglaubliches geschehen. Die Germanen schlugen die römische Super-Armee. Dabei galt diese als unbesiegbar.

Das wollten die Römer nicht auf sich sitzen lassen. Die widerspenstigen Germanen sollten besiegt und ihr Gebiet endlich erobert werden. Also schickte Rom seine Truppen erneut los - mit Germanicus als Anführer.

„Dabei hatten alle riesige Erwartungen an Germanicus”, erklärt die Expertin Heidrun Derks. Sie arbeitet in einem Museum in Kalkriese. Das ist im Bundesland Niedersachsen. Dort gibt es gerade eine große Ausstellung über Germanicus. Die Fachfrau erzählt: „Er war für Großes vorgesehen. Er war so einen Art Superstar und sollte später einmal Kaiser werden.”

Eigentlich hieß der Mann Nero Claudius. Sein Vater war ein berühmter Feldherr gewesen. Dieser hatte in Germanien bereits viele Schlachten gekämpft. Von ihm hatte der Sohn den Ehrentitel Germanicus geerbt. Ohne, dass er dafür etwas Besonderes getan hätte! Normalerweise bekam man einen Ehrentitel nur wegen besonderer Taten verliehen. Diese sollte Germanicus nun auf seinem Feldzug vollbringen.

Tatsächlich gewann der Mann auch die eine oder andere Schlacht. Aber er schaffte es nicht, Germanien zu erobern. Die Germanen leisteten hartnäckigen Widerstand. „Keine Seite schaffte einen klaren Sieg. Es war ein Unentschieden”, sagt die Expertin. Die Kämpfe hätten noch jahrelang so weitergehen können. Ohne, dass einer gesiegt hätte.

Das wurde dem römischen Kaiser irgendwann zu nervig - und zu teuer. Er befahl den Rückzug seiner Truppen. Aber Germanicus widersetzte sich dem Befehl. Er kämpfte noch ein ganzes Jahr lang in Germanien weiter. „Er wollte wohl unbedingt beweisen, dass er das kann”, erklärt Heidrun Derks. Doch am Ende musste auch er geschlagen abziehen.

Zwar hatte er Germanien nicht erobert, trotzdem wurde der Feldzug des Germanicus zunächst als voller Erfolg dargestellt. Die Römer verehrten ihn wie einen Superstar.

Germanicus ging noch auf andere Missionen. Von dort kam er krank zurück und starb wenig später. Da war er erst 33 Jahre alt. Viele glaubten damals, er sei vergiftet worden.

„Man weiß nicht, ob Germanicus wirklich so toll war, wie alle dachten - oder ob er einfach nur ein Blender war”, meint die Expertin. „Das konnte er nicht mehr unter Beweis stellen.”

(dpa)