Die Kunst kommt zum Kind: Ein fahrendes Museum

Die Kunst kommt zum Kind : Ein fahrendes Museum

Im Museum kann man schöne Bilder ansehen, Experimente machen oder Geschichten von den alten Römern hören. Aber wenn es zu weit weg ist? Dann kommt es eben vorbei!

Mitten auf dem Schulhof steht ein langer blauer Bus. Hat sich etwa der Schulbusfahrer verirrt? Natürlich nicht! Heute ist aber ein besonderer Tag in der Grundschule Frohburg. Während noch alle in ihren Klassenzimmern lernen, ist ein Museumsbus angekommen. Der besucht seit einigen Monaten Grundschulen im Bundesland Sachsen.

Für Kinder, die in einer großen Stadt wie Berlin oder Dresden leben, ist der Weg zum nächsten Museum kurz. Sie können mit ihrer Familie oder der Schulklasse dorthin fahren und eine Ausstellung besuchen. Kinder, die auf dem Land wohnen, haben es nicht so leicht. Sie müssen manchmal sehr lange fahren, um eine Großstadt zu erreichen.

Die Mitarbeiter der Kunstsammlungen in Sachsen finden das ungerecht. „Wir möchten, dass jedes Kind die Möglichkeit hat, ein Museum zu besuchen. Kunst ist schließlich für alle Menschen gedacht“, sagt Florence Thurmes. Sie arbeitet für die Kunstmuseen in Sachsen und hat sich zusammen mit Kollegen das Konzept des fahrenden Museums ausgedacht. Auch in anderen Bundesländern gibt es solche Ideen.

Die Kunstexperten möchten mit dem Bus natürlich auch ein bisschen Werbung machen. Sie hoffen: Wenn Kinder merken, dass Kunst interessant ist, besuchen sie auch als Erwachsene Museen und zahlen dann den Eintritt. Deshalb hängen im Bus nicht einfach nur Gemälde. Stattdessen gibt es Kunstwerke zum Anfassen und Mitmachen.

Die Erstklässler in Frohburg staunen, als sie in den Museumsbus einsteigen: Dort liegen Tausende weiße Legosteine herum. Damit können die Grundschulklassen jeweils eine Schulstunde lang bauen – zum Beispiel Hochhäuser, Denkmäler oder Schlösser. Ein dänisch-isländischer Künstler hat sich das Werk ausgedacht. Es soll Menschen dazu ermutigen, sich eine Stadt auszudenken, in der sie gerne leben würden.

Die Kinder in Frohburg haben dazu viele Ideen. Einige von ihnen bauen ein Segelschiff, andere ein Schloss oder ein großes Haus. Mit Lego zu bauen, anstatt Mathe und Deutsch zu büffeln, finden sie super. Aber auch die Erwachsenen lernen etwas dazu, erzählt Anke-Dorothea Graf, die den Bus oft begleitet. Sie kann sich an ein Mädchen erinnern, das keine Lust hatte, sich eine Stadt aus Lego auszudenken. „Stattdessen wollte die Schülerin eine Ziege mit Lesebrille bauen“, sagt sie. „Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sie das machen will. Aber es hat geklappt! Kinder haben oft mehr Vorstellungskraft als Erwachsene.“

(dpa)
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