1. Karlo Clever

Berlin: „Du bist aber groß geworden“

Berlin : „Du bist aber groß geworden“

Jeder Mensch wächst in seinem Leben. Manche mehr, manche weniger. Wie kommt das eigentlich? Es hat mit Genen zu tun, der Ernährung und einer kleinen Drüse in unserem Gehirn.

Die Hosen zu kurz, die Schuhe schon wieder zu klein. Tja, da bist du wohl gewachsen! Kinder werden jedes Jahr etwa fünf bis sechs Zentimeter größer, wenn alles normal läuft. Aber wie stellt unser Körper das eigentlich an? Einer, der das weiß, ist Dirk Schnabel. Er arbeitet als Kinderarzt an einem großen Krankenhaus in der Hauptstadt Berlin.

Gene sind Baupläne für Lebewesen

Der Arzt erklärt: Vor allem drei Dinge wirken auf das Wachstum ein. Da sind zum einen die Gene, die wir von unseren Eltern vererbt bekommen. Gene sind eine Art Bauplan für Lebewesen. Sie bestimmen wichtige Informationen: zum Beispiel die Augenfarbe, die Haarfarbe oder eben die Körpergröße.

„Sind beide Eltern groß gewachsen, dann werden auch die Kinder in aller Regel groß“, erklärt Dirk Schnabel. Es gibt sogar einen Trick, mit dem man ungefähr berechnen kann, wie groß ein Kind einmal wird. Der geht so: Größe des Vaters plus Größe der Mutter, geteilt durch zwei. Bei Jungs rechnet man dann noch 6,5 Zentimeter dazu, bei Mädchen zieht man dagegen 6,5 Zentimeter ab.

Die Gene bestimmen aber nicht allein die Größe. Hormone spielen auch eine wichtige Rolle. Hormone sind Botenstoffe. Das bedeutet, sie geben unserem Körper bestimmte Signale. Das Hormon, das unser Wachstum steuert, heißt Somatotropin. Es entsteht in unserem Gehirn. Dort gibt es eine spezielle Drüse, die Hirnanhang-Drüse. Sie ist nur etwa so groß wie ein Kirschkern, hat aber viel Einfluss.

Denn die Drüse stellt Hormone her und sendet diese in unseren Körper aus. Der bekommt dadurch unter anderem das Signal zum Wachsen. Zum Beispiel wirkt der Botenstoff auf Knochen und Muskeln. „Wenn die Drüse aber nicht richtig arbeitet, dann wird das Wachstum gestört“, sagt der Experte. Sehr selten passiert es, dass die Drüse zu viele Hormone produziert oder zu wenig oder auch zur falschen Zeit.

Gene und Hormone sind also zwei wichtige Einflüsse auf unser Wachstum. „Der dritte wichtige Punkt ist die Ernährung“, erklärt Dirk Schnabel. Denn um wachsen zu können, braucht unser Körper viele wichtige Stoffe: zum Beispiel Fette, Vitamine und Eiweiß.

Doch auch unser Umfeld ist wichtig, also unsere Familie und die Art und Weise wie wir aufwachsen, sagt der Fachmann. „Wenn es uns gut geht, wenn wir geborgen sind, uns wohlfühlen, können wir auch gut wachsen.“

(dpa)