1. Karlo Clever

Improvisationstheater: Doppelpässe auf der Bühne

Improvisationstheater : Doppelpässe auf der Bühne

Typisch für ein Improvisationstheater ist, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler keinen Text gelernt haben. Das Publikum bestimmt, wie eine Geschichte erzählt werden soll.

Hier darf das Publikum den Menschen auf der Bühne was zurufen. Das soll sogar so sein! Denn in diesem Theater haben die
Schauspielerinnen und Schauspieler keinen Text gelernt. Sie wissen anfangs auch nicht, was sie spielen werden.

Stattdessen nennen ihnen die Zuschauerinnen und Zuschauer Begriffe: Promi-Namen etwa oder das Wort Liebe. Daraus macht das Team auf der Bühne witzige Geschichten oder auch Lieder. Das geschieht in dem jeweiligen Augenblick und spontan. In der Theatersprache nennt man das: improvisieren.

Kein wildes Durcheinander

Trotzdem ergibt das kein wildes Durcheinander. Auch die Geschichten beim Improvisationstheater folgen Regeln. Es geht immer um ein Thema oder ein Motto, zu dem alle Geschichten passen: Sommer etwa oder Schule. Jede Szene ist wie ein Spiel. Es wird erst erklärt, dann liefert das Publikum die Ideen dazu. Schließlich legen die Schauspielerinnen und Schauspieler los.

So läuft es auch im Impro-Theater Springmaus in der Stadt Bonn. Eins der Spiele heißt „Zwei-Kanal-Ton“. Das geht so: Da beschwert sich ein Schauspieler in der Rolle Hotelgast bei einer Mitarbeiterin über die zu weiche Matratze. Erst auf Deutsch, dann in einer anderen Sprache. Diese andere Sprache hat das Publikum bestimmt. Auf ein musikalisches Signal hin wechseln beide die Sprache, und zwar schnell! Dass das Finnisch oder Chinesisch nur ausgedacht ist, macht nichts. Hauptsache, die Wirkung ist lustig.

„Wir müssen hellwach sein“, sagt Paul Hombach, der Schauspieler und Musiker bei den Springmäusen ist. „Wir müssen immer schauen, was die anderen machen oder sagen.“ Auch ohne festen Text soll jeder sofort auf das antworten, was der andere gerade sagt oder tut. „Man braucht sehr viel Talent als Schauspieler und auch ein gutes Gefühl für eine gute Geschichte“, erklärt Herr Hombach. Er vergleicht diese Art von Theater mit Fußball: „Ich kann trainieren, wie ich einen Doppelpass spiele, ich kann ballsicher sein. Aber ich weiß nie, wie ein Spiel dann verläuft und wie es ausgeht.“

Alle sollen sich wohlfühlen

Wichtig ist den Springmäusen, dass sich alle wohlfühlen. Das gilt auch, wenn persönliche Erlebnisse nacherzählt werden. Die Schauspieler fragen vielleicht ein Ehepaar, wie es sich kennengelernt hat und basteln dann eine Szene daraus. Manches erkennt das Publikum, manches ist verdreht, alles soll aber für alle unterhaltsam sein.

„Wir fragen was, ihr sagt was, wir machen was, und am Ende haben wir alle Spaß“, sagen die Springmäuse am Beginn eines Programms. Funktioniert das gut, gibt es viel Applaus: für die Menschen auf der Bühne und für die Menschen im Saal.

(dpa)