1. Karlo Clever

München: Die Sonne auf der Erde

München : Die Sonne auf der Erde

Wie wird es im Jahr 2050 bei uns auf der Erde aussehen? Die meisten Leute denken nicht so weit in die Zukunft. Für Marco Wischmeier ist das normal - und Teil seiner Arbeit. Er ist Physiker und forscht in Garching. Das ist in der Nähe von München, im Bundesland Bayern.

Dort beschäftigt er sich mit einer Technik, die in der Zukunft wichtig werden könnte - mit Kernfusion. Das hat nichts mit Apfel- oder Sonnenblumenkernen zu tun. Sondern mit Atomkernen. Atome sind winzig kleine Teilchen. Wenn zwei solcher Atomkerne miteinander verschmelzen, dann nennen Wissenschaftler das Kernfusion. „Mit Kernfusion erzeugt zum Beispiel die Sonne Energie”, sagt der Experte. Und zwar eine ganze Menge.

Auf der ganzen Welt arbeiten viele Forscher daran, diesen Trick der Sonne auf der Erde nachzumachen. „Wir glauben, dass es 2050 ein Kernfusions-Kraftwerk geben wird, das so funktionieren könnte”, sagt Marco Wischmeier. Damit das klappt, müssen sich die Forscher noch einiges einfallen lassen. Denn auf der Sonne funktioniert das mit der Kernfusion zwar von selbst. Dort herrschen aber auch andere Bedingungen als auf der Erde. Zum Beispiel ist es dort sehr heiß - in ihrem Inneren sind es viele Millionen Grad.

In der Fusions-Anlage in Garching probieren Wissenschaftler aus, wie man auch auf der Erde eine Kernfusion hinbekommt. Nach einem fremden Planeten sieht es dort aber nicht aus. Eher wie in einem Raumschiff. Es gibt viele meterhohe, rote und silberne Rohre, dazwischen Treppen, Gerüste und jede Menge Kabel.

Viele Tausend Mal haben die Forscher in Garching schon versucht, eine Kernfusion möglichst gut vorzubereiten. Schon diese Vorbereitung ist eine Riesenaufgabe, und jeder Forscher arbeitet an einem eigenen kleinen Teil davon. Marco Wischmeier überlegt sich etwa seit Jahren, aus welchem Material eine Fusions-Anlage innen gebaut sein muss, damit sie nicht schon nach kurzer Zeit wieder kaputtgeht. „Eine Kernfusions-Anlage muss schließlich extreme Temperaturen aushalten”, sagt der Physiker.

Die Forscher probieren in der Anlage aber auch andere Dinge aus. Zum Beispiel, wie man die hohen Temperaturen entstehen lässt. Sie haben Computer, Kameras und Messgeräte an die Versuchsanlage angeschlossen. So wollen sie herausfinden, was man noch besser machen könnte.

Auch wenn viele der Tests nicht funktionieren, sind sie nicht umsonst, sagt der Fachmann. Denn das, was man damit erforscht, nutzt vielleicht in Zukunft. Dass das mit der Kernfusion vielleicht erst in vielen Jahren klappt, findet er nicht schlimm. Die Sonne auf der Erde nachzubauen ist eben eine Riesenaufgabe.

(dpa)