1. Karlo Clever

Braunsbach: Die Riesen-Brücke braucht Hilfe

Braunsbach : Die Riesen-Brücke braucht Hilfe

Der große Lkw hat sich wieder in Bewegung gesetzt. Er fährt auf der äußeren Fahrbahn vorwärts, nur ein paar Zentimeter, ganz langsam, ganz vorsichtig. Auf den anderen Spuren rauscht währenddessen der Verkehr auf der Autobahn vorbei.

Dann hält der Lkw an, wartet kurz und fährt wieder weiter - ganz langsam und vorsichtig. An dem Lkw hängt nämlich eine Art Kran. Wie eine Kralle fasst er unter die Brücke.

Die Fachleute nennen das auch Untersicht-Gerät. Auf ihm stehen ein paar Arbeiter. Unter ihnen geht es fast 200 Meter in die Tiefe. Die Arbeiter schauen sich die Unterseite der Brücke an. Sie tragen Bauhelme und haben einen Hammer dabei. Damit untersuchen sie jeden Zentimeter des Bauwerks. So wollen sie herausfinden, wo der Beton eventuell kaputt sein könnte.

Seit fast einem Jahr wird die Kochertal-Brücke schon repariert und ausgebessert. Bis alles fertig ist, wird es noch eine ganze Weile dauern. Neben den Reparaturen haben die Arbeiter eine andere wichtige Aufgabe: „Wir müssen die Brücke für die Zukunft sicherer machen”, erklärt der Fachmann Thomas Lehmann.

Denn die Brücke muss immer mehr Autos und Lkws aushalten - und damit immer mehr Gewicht. Als sie gebaut wurde, war das noch anders. Das war vor ungefähr 35 Jahren. Damals gab es viel, viel weniger Verkehr. Die Bau-Leute rechneten wohl auch nicht damit, dass eines Tages so viele Autos über die Brücke rollen würden. Dieses Problem besteht mit vielen Brücken in Deutschland.

Deshalb mussten sich die Experten nun überlegen: Wie viel Verkehr hält die Brücke in Zukunft noch aus? Kann man sie verstärken? Oder muss man sie abreißen und eine neue Brücke bauen? Dazu schauten sich die Fachleute die alten Baupläne genau an und rechneten lange hin und her.

Dann entschieden sie: Die Brücke bleibt da! Sie kann den Verkehr aushalten. Aber man muss ihr dabei helfen. Zum Beispiel indem bestimmte Stellen im Inneren der Brücke verstärkt werden. Dort soll zusätzlicher Beton angebracht werden. Dabei haben die Fachleute noch einen besonderen Vorteil auf ihrer Seite. Er ist gleichzeitig auch ein riesiger Nachteil.

„Im Beton verlaufen extrem viele Spann-Drähte”, erklärt Thomas Lehmann. Man kann sie sich wie dicke Seile aus Stahl vorstellen. Sie machen die Kochertal-Brücke sozusagen besonders stark. Das ist für die Experten ein großer Vorteil. Andererseits machen die Spann-Drähte aber auch jede Menge Probleme: Denn sie dürfen auf keinen Fall angebohrt werden! Sonst könnte die Brücke instabil werden.

Die Bauarbeiter wissen aber nicht, wo die Spann-Drähte ganz genau verlaufen. Mit besonderen Messgeräten können sie zwar die Stahl-Seile dicht an der Oberfläche entdecken. Die anderen Seile, die weiter darunter verlaufen, kann das Gerät aber nicht erkennen. Deshalb darf auf der Baustelle auch nicht im Beton gebohrt werden! Das wäre nämlich zu gefährlich.

(dpa)