1. Karlo Clever

Großmarkt: Der Weg von Obst und Gemüse

Großmarkt : Der Weg von Obst und Gemüse

Auf dem Großmarkt wird in der Nacht Ware an Märkte und Restaurants verteilt. Dadurch können wir dann im Geschäft ganz frische Lebensmittel kaufen oder auswärts essengehen.

Draußen ist es zappenduster. Aber in der riesigen, hell erleuchteten Halle und drumherum ist reichlich los. Händler rufen sich zu. Arbeiter fahren mit Gabelstaplern Paletten voll mit frischen Tomaten, Avocados und Orangen herum.

„Die meiste Arbeit für heute ist schon getan“, sagt Nils Doerwald und schaut auf seine Uhr. Es ist 6 Uhr morgens. „Vor ein paar Stunden herrschte hier noch viel mehr Betrieb.“ Nils Doerwald leitet den Fruchthof in Berlin. Hier besorgen zum Beispiel Einkäufer von Supermärkten und Restaurants frisches Obst und Gemüse. Wir finden das dann etwa in den Läden oder auf dem Wochenmarkt wieder, wenn wir einkaufen gehen.

Bis das Obst und Gemüse auf dem Großmarkt ankommt, hat es oft schon einen weiten Weg hinter sich. Die meisten Lebensmittel kommen aus wärmeren Gegenden der Welt. Klar, Zitrusfrüchte zum Beispiel brauchen viel Sonne. Die wachsen hier in Deutschland kaum oder gar nicht. Also werden die Früchte geerntet und dann mit Lastwagen, in Schiffen und Flugzeugen transportiert.

„Der Großteil der Produkte, die nicht in Europa wachsen, kommt per Schiff zu uns“, sagt Nils Doerwald. Diese Waren kommen in großen Seehäfen wie etwa Rotterdam oder Hamburg an. Rotterdam liegt in unserem Nachbarland Niederlande. „Vom Hafen aus werden sie mit Lastwagen hierher gefahren.“

Auf seinem Weg darf das empfindliche Obst und Gemüse keinen Schaden nehmen. „Nichts ist schlimmer als wenn die Ware verdirbt“, sagt Nils Doerwald. Das passiert auch nur selten. Denn beim Transport achten die Fachleute auf ihre Produkte. Auf dem Großmarkt selbst fallen dadurch nicht mehr so viele Abfälle an. Die Ware wird verkauft. Es fragt sich nur, für welchen Preis.

Hierzu schauen sich die Händler die gelieferte Ware an. Die makellosen Salatköpfe, Beeren und Kräuter etwa werden zu höheren Preisen verkauft. Die krummen Gurken, verwachsenen Kartoffeln und Äpfel mit Druckstellen sind günstiger. Diese Waren kommen dann nicht in die Läden, sondern werden direkt verarbeitet. „Wenn ein Restaurant fertigen Gurkensalat oder geschälte Kartoffeln kauft, ist es egal, wie das Gemüse vorher ausgesehen hat“, erklärt der Fachmann.

Es gibt aber noch weitere Einflüsse auf den Preis: „Die Lebensmittel kosten zu unterschiedlichen Jahreszeiten unterschiedlich viel“, sagt Nils Doerwald. „Außerdem haben die Händler das Wetter der nächsten Tage im Blick.“ Denn sie wissen: Erdbeeren zum Beispiel verkaufen sich am besten, wenn die Leute sie bei Sonnenschein im Garten oder auf dem Balkon essen können.

Wenn sich die Händler auf einen Preis geeinigt haben, werden die Paletten voll Obst und Gemüse mit Gabelstaplern hinaus zu den Lieferwagen gebracht. Sind die Fahrzeuge beladen, geht es auch schon los. Die Fahrer müssen dann zügig zu den Geschäften und Restaurants in Berlin und Umgebung fahren und die Ware abliefern.

(dpa)