1. Karlo Clever

Kinderlabor: Das Chaos im Kopf vermeiden

Kinderlabor : Das Chaos im Kopf vermeiden

In einem Kinderlabor wollen Forschende unter anderem herausfinden, wann Kinder sich ablenken lassen. Die Ergebnisse sollen später beim Lernen für die Schule helfen.

Vielleicht kennst du das: Eigentlich solltest du im Unterricht aufpassen. Aber draußen ist es laut – und du bist total abgelenkt. Im Kinderlabor des Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg untersuchen Forscher das. Wir haben mit Nicole Wetzel darüber gesprochen. Die Professorin leitet unter anderem diese Studie.

Frau Wetzel, was untersuchen Sie im Kinderlabor?

Nicole Wetzel: „Wir wollen herausfinden, wie sich die Aufmerksamkeit bei Kindern entwickelt. Wir schauen uns an, wie gut Kinder zuhören und wann sie sich ablenken lassen.“

Warum ist das für Sie interessant?

Wetzel: „Wenn wir abgelenkt werden, lernen wir nicht so gut. Wir machen mehr Fehler. Wenn wir wissen, wann und wie Kinder lernen, sich weniger ablenken zu lassen, können wir ihnen besser beim Lernen helfen. Wir können dann zum Beispiel sagen, wie Klassenzimmer für jüngere Kinder gestaltet werden sollten, damit sie sich besser konzentrieren können.“

Warum achten Sie dabei auf das Zuhören?

Wetzel: „Die Augen können wir zumachen, wenn wir uns konzentrieren wollen. Die Ohren können wir aber nicht einfach zuklappen. Geräusche können uns immer ablenken.“

Wie untersuchen Sie das?

Wetzel: „Kinder, die bei uns mitmachen, bekommen eine Aufgabe. Diese Aufgaben sind meistens gar nicht schwer. Gleichzeitig spielen wir ihnen Geräusche vor. Zum Beispiel bellt ein Hund oder jemand niest. Mit Spezialkameras beobachten wir die Augen der Kinder. Unsere Pupillen werden nämlich größer, wenn wir abgelenkt werden. Und wir schauen uns an, was im Gehirn passiert.“

Können Sie in die Köpfe der Kinder schauen?

Wetzel: „Ein kleines bisschen. Die kleinen elektrischen Spannungen, die bei der Arbeit der Nervenzellen im Gehirn entstehen, können wir ganz schwach noch auf der Kopfoberfläche messen. Mit einem Gerät, das Elektroenzephalogramm heißt. Wir nennen es kurz EEG. Dabei setzen die Kinder eine Art Mütze auf, die wie eine Badekappe mit Kabeln aussieht. Am Computer können wir damit sehen, welcher Bereich des Gehirns besonders intensiv wie arbeitet.“

Was passiert, wenn wir abgelenkt werden?

Wetzel: „Das Gehirn entdeckt: Da ist etwas Neues. Es sagt uns: ‚Schau mal nach, da könnte etwas Wichtiges sein.’ Wir lenken unsere Aufmerksamkeit darauf. Das können wir nur schwer unterdrücken. Das ist auch wichtig. Wenn es zum Beispiel brennt und der Feueralarm losgeht, wollen wir das ja mitbekommen und uns retten. Aber während wir abgelenkt sind, könnten wir etwas anderes Wichtiges verpassen. Zum Beispiel, was der Lehrer oder die Lehrerin gerade erzählt.“

Was haben Kinder davon, wenn sie bei der Studie mitmachen?

Wetzel: „Die Kinder erhalten ein kleines Dankeschön. Sie sehen, wie ein Kinderlabor arbeitet. Und sie können sich beim EEG ihre eigenen Hirnströme anschauen.“

Was bedeutet eigentlich das Wort Aufmerksamkeit?

Aufmerksamkeit. Das ist ein Wort, bei dem jeder irgendwie weiß, was es bedeutet. Aber so einfach ist es dann doch nicht, wenn sich Wissenschaftler damit beschäftigen, erklärt Nicole Wetzel. Die Professorin leitet ein Kinderlabor in Magdeburg. „Es gibt verschiedene Formen der Aufmerksamkeit. Wenn ich mich lange auf etwas konzentriere, sprechen wir von Daueraufmerksamkeit. Wenn ich zwei Dinge gleichzeitig mache, ist das die geteilte Aufmerksamkeit“, sagt sie. „Was wir aber meistens meinen, nennen wir selektive Aufmerksamkeit.“ Das Wort selektiv bedeutet, dass wir etwas auswählen. Selektive Aufmerksamkeit ist also, wenn du dich entscheidest, dich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Wie bei den Hausaufgaben. Dabei versuchst du, dich nicht ablenken zu lassen.

(dpa)