1. Karlo Clever

Künstlerin Hannah Höch: Bunte Schnipsel ergeben ein Bild

Künstlerin Hannah Höch : Bunte Schnipsel ergeben ein Bild

Hier ein Auge mit Flügeln, dort eine Eule mit einer Lupe: Die Künstlerin Hannah Höch hat Dinge zusammengebracht, die eigentlich nicht zusammen gehören. Eine Technik macht es möglich.

Sie zerschnitt Fotos, Zeitschriften und andere Papiere. Diese klebte sie zu neuen Bildern zusammen, sogenannten Collagen. Durch sie wurde die Künstlerin Hannah Höch bekannt. Ihre Werke sind so berühmt, dass sie bis heute in Ausstellungen zu sehen sind.

Vor 100 Jahren begonnen

Mit dieser Technik begann Hannah Höch vor ungefähr 100 Jahren. Damals war gerade der erste Weltkrieg zu Ende gegangen. „Die Welt lag in Trümmern. Es musste etwas Neues entstehen“, sagt Tobias Hoffmann. Er ist der Direktor des Bröhan-Museums, das gerade eine Ausstellung der Künstlerin zeigt.

Hannah Höch gehörte der Künstlergruppe Dada an, die sich damals nach dem Krieg formte. „Die Dadaisten sahen in der Zerstörung des Krieges einen großen Irrsinn“, sagt Tobias Hoffmann. „Sie meinten, dass man die Welt nicht mehr so darstellen konnte wie bisher, sondern mitsamt all diesem Irrsinn zeigen müsse. Und dafür suchten sie künstlerische Mittel, die ebenso verrückt waren wie die Welt um sie herum.“

Hannah Höch begann mit ihren irrwitzigen Collagen. Auf einem ihrer Bilder sieht man zum Beispiel eine riesige Eule, die auf einer Wolke sitzt und eine Lupe in einer ihrer Schwingen hält. Damit betrachtet sie eine winzig kleine Erdkugel. Um sie herum fliegen Fingerkuppen.

Das Besondere an der Collage ist: Dabei kommen Dinge zusammen, die von ihrer Größe und Art eigentlich nicht zueinander passen. Und auch sonst scheint vieles verkehrt. So können Objekte lebendig werden, indem sie etwa Augen oder Beine bekommen.

„Diese Art der Darstellung hat Hannah Höch auch auf ihre Gemälde übertragen“, sagt Tobias Hoffmann. Damit meint er zum Beispiel ein Brautpaar, das Hannah Höch malte. Der Kopf der Braut ist viel zu groß und sieht aus, als stamme er von dem Bild einer Puppe. Um das Paar herum sieht man etwa ein Herz mit Flügeln, an dem ein Betonklotz hängt. Außerdem flattert dort ein weinendes Auge. Diese Dinge wirken, als seien sie aufgeklebt worden.

Für die Collage-Kunst brauchte Hannah Höch einen reichen Schatz an Materialien. So wundert es nicht, dass sie eine große Sammlerin war. Neben Zeitungen, Zeitschriften und anderem Papier bewahrte sie auch andere Dinge auf, die sie schön oder interessant fand. So finden sich auf einem Bild von ihr zum Beispiel kleine Knöpfe.

(dpa)