1. Karlo Clever

Sammlung: Begeistert von alten Briefen

Sammlung : Begeistert von alten Briefen

Wird eine Briefmarke gestempelt, verliert sie ihren Wert. Für Sammler ist sie damit aber nicht wertlos. Im Gegenteil! Der 15-jährige Jan Siegenthaler hat eine riesige Sammlung.

Angefangen hat alles mit einer Briefmarke mit dem Bild eines Ottifanten. Diese Comicfigur des Künstlers Otto fand Jan Siegenthaler gut. „Also habe ich die Marke ausgeschnitten und in eine Schachtel gelegt“, erzählt er. Nach und nach kamen immer mehr Marken dazu. Aus einer kleinen Sammlung wurde ein richtiges Hobby. Mittlerweile fährt der 15-Jährige auf Ausstellungen über Briefmarken.

Ins Wasserbad legen

Heute kennt sich Jan besser aus als am Anfang. Briefmarken schneide man nicht aus, sagt er. Man müsse sie in einem Wasserbad vorsichtig vom Brief ablösen. Bei seiner Ottifanten-Marke zum Beispiel schnitt er aus Versehen den gezackten Rand ab. „Das bereue ich heute noch.“

Jan sammelt nicht nur Briefmarken, sondern auch Briefe. Zu jedem davon kann er eine kleine Geschichte erzählen. „Über die Briefe, die sich Menschen geschrieben haben, und die Briefmarken kann man so viel erfahren. Welchen Weg ein Brief zurückgelegt hat, bis er endlich an seinem Ziel ankam, zum Beispiel.“ Jans ältester Brief ist mehr als 200 Jahre alt. Datiert ist er auf das Jahr 1789. Damals gab es noch gar keine Briefmarken! Die Briefe mussten vom Empfänger bezahlt werden. Auf dem Umschlag kann man lesen, wann der Brief wo war und was der Transport kostete.

  Jan begeistert sich für Briefmarken und alte Briefe.
Jan begeistert sich für Briefmarken und alte Briefe. Foto: dpa/Mariana Friedrich

Die meisten sammeln Briefmarken nicht nur alleine für sich. Das Hobby, das man auch Philatelie nennt, teilen viele Menschen auf der Welt miteinander. Sie treffen sich in Vereinen oder tauschen auf Tauschbörsen ihre Schätze. In Museen gibt es auch Ausstellungen über Briefmarken. Das hat Jan auch schon gemacht, mit Briefmarken und Briefen aus seiner Heimatstadt Lichtensteig im Land Schweiz. Von denen hat er besonders viele gesammelt.

Bei einer Briefmarkenausstellung zeigt man nicht einfach sein Album. Die Sammlerinnen und Sammler müssen die Geschichten ihrer Briefmarken für Besucher verständlich aufschreiben. Dabei erklären sie: Woher kommen die Briefmarken? Was bedeutet das Motiv? Warum sind sie interessant? „Es gibt strenge Vorgaben, wie die Texte aussehen müssen und wie die Stücke gezeigt werden“, sagt Jan.

Auch für die Schule hat sich Jan sein Hobby schon zunutze gemacht. Er musste eine Abschlussarbeit schreiben in der 9. Klasse. „Dafür bin ich durch die ganze Schweiz gefahren, habe Interviews geführt, Auktionshäuser besucht und viel recherchiert.“ Heraus kam nicht nur eine Projektarbeit, die jedes Kind in der Schweiz schreiben muss. Sondern er verfasste ein ganzes Buch über das Thema Sammeln. Das kam bei anderen Sammlerinnen und Sammlern so gut an, dass es nun sogar von einem Verlag veröffentlicht wird.

(dpa)