1. Karlo Clever

Morro Bay: Auf dem Rücken im Wasser treiben

Morro Bay : Auf dem Rücken im Wasser treiben

Psssst! Hier ruhen Seeotter. Eine Biologin im Land USA erklärt, warum die niedlichen Meerestiere täglich richtig viel fressen müssen und warum man sie nicht stören darf.

In der Bucht zwischen den Booten taucht ein Köpfchen aus dem Wasser auf. Was ist das für ein Tier? Es rollt sich auf den Rücken und hält etwas in seinen Vorderpfoten. Es ist ein Seeotter! Er hält eine Muschel. Denn der Otter ist gerade beim Frühstück.

Seeotter leben im Pazifischen Ozean vor Alaska, Russland und an der Westküste von Kanada und den USA. Wir befinden uns im Küstenort Morro Bay in Kalifornien. Wer hier im Hafenbereich spazieren geht, hat gute Chancen, die Tiere zu sehen.

Der Bauch dient als Tisch

Der frühstückende Seeotter taucht immer wieder an einem Pfahl hinab und pflückt eine Muschel. Er schwimmt ein Stück hinaus, dreht sich auf den Rücken und treibt dann mit dem Bauch nach oben auf dem Wasser. „Seeotter benutzen ihren Bauch als Tisch“, erklärt Heather Barrett. Die amerikanische Wissenschaftlerin erforscht die Seeotter in Kalifornien und weiß eine Menge über sie. „Manche Seeotter benutzen sogar Werkzeuge wie etwa einen Stein zum Muscheln-Aufbrechen“, sagt sie. So kommen die Tiere an das leckere Innere zwischen den Schalen.

Seeotter müssen am Tag eine ganze Menge fressen. Etwa ein Viertel ihres Körpergewichts verspeisen sie täglich. Ein Beispiel: Wenn du 40 Kilogramm wiegst, müsstest du 10 Kilo Essen am Tag zu dir nehmen! Männliche Seeotter können bis zu 40 Kilogramm auf die Waage bringen. Wenn die Tiere nicht fressen, ruhen sie sich aus. Auch dabei kann man die niedlichen Meeressäugetiere in Morro Bay beobachten. Sie liegen auf dem Rücken im Wasser, haben ihre Pfoten auf dem Bauch gefaltet und die Augen geschlossen. „Psssst“ steht auf einem Schild im Hafenbereich.

Energie zu sparen, ist für sie wichtig

„Wenn ein Seeotter ruht, macht er das, um Energie zu sparen“, erklärt die Expertin. Deswegen sei es wichtig, die Tiere nicht zu stören. Denn wenn sie aufschrecken, kostet sie das unnötig Energie. Diese brauchen sie aber dringend, um sich zum Beispiel im kühlen Meereswasser warmzuhalten. Andere Meeressäuger speichern Fett an ihrem Körper als Wärmepolster. Seeotter können das nicht. Sie verlassen sich auch auf ihr dichtes Fell, um warm zu bleiben. Sie putzen es viel und ausgiebig.

Manchmal heißt es, dass Seeotter Händchen halten, um sich nicht zu verlieren. „Ich und auch viele andere Biologen haben das bei Seeottern in der Wildnis noch nie gesehen“, sagt Frau Barrett. Es könne aber schon vorkommen. Etwas anderes machen die Tiere viel häufiger. „Seeotter wickeln sich im Seegras ein, damit sie nicht davontreiben“, erklärt die Expertin. Die Tiere nutzen die Pflanzen also als eine Art Anker. Seeotter-Babys ruhen oft auf dem Bauch der Mama. Wenn diese nach Nahrung taucht, bindet sie den Nachwuchs manchmal am Seegras fest.

(dpa)