1. Karlo Clever

Pflegestationen: Auch Vögel müssen mal zum Arzt

Pflegestationen : Auch Vögel müssen mal zum Arzt

Wenn Vögel verletzt sind, werden sie oft von der Polizei oder der Feuerwehr gerettet. Sie kommen dann in Pflegestationen. In Hattingen gibt es eine spezielle Klinik für Wasservögel.

Thorsten Kestner schaut hinüber zu den zwei kleinen Seen. Dutzende Enten und Schwäne schwimmen dort hin und her. Sie scheinen aufgeregt zu sein, nervös. „Irgendetwas scheint ihnen Angst zu machen. Vielleicht ist heute Nacht ein Fuchs hier umhergestreift“, sagt er. Dann kippt er eine große Kiste mit Körnern in der Nähe des Ufers aus. „Normalerweise kommen die Tiere gleich angewatschelt, sobald es Futter gibt“, erklärt er. Heute bleiben die Tiere lieber im Wasser.

Die Seen befinden sich am Rande der Stadt Hattingen im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Sie sind nur ein paar Meter entfernt von einer Auffangstation für Wasservögel, die Thorsten Kestner betreibt. Dort werden kranke Vögel behandelt, die in der Natur ohne die Hilfe vermutlich nicht überleben würden. Manchmal werden dort bis zu 500 Tiere wieder gesund gepflegt. Dazu gehören Enten, Schwäne, Gänse, Basstölpel, Möwen oder auch Graureiher. In der Pflegestation leben gerade drei dieser großen Vögel. Sie alle heißen „Rüdiger“, so hat Thorsten Kestner sie genannt.

 Jemand hat mit einem Pfeil auf diese Ente geschossen.
Jemand hat mit einem Pfeil auf diese Ente geschossen. Foto: dpa/Caroline SeidSeidel-Dißmannel

Manche Tiere werden mit sehr schlimmen Verletzungen in die Pflegestation gebracht: mit gebrochenen Flügeln beispielsweise oder fiesen Bisswunden von Hunden. „Die allermeisten Verletzungen sind aber durch den Menschen entstanden. Zum Beispiel durch Angelschnüre und Angelhaken, durch Schlagfallen oder Stacheldraht“, erzählt Thorsten Kestner. Auch Plastikmüll ist ein großes Problem. Denn oft verheddern sich die Tiere mit ihrem Schnabel darin und können sich selbst nicht mehr davon befreien. Es wurden auch schon Vögel zu Thorsten Kestner gebracht, die mit Pfeilen aus Blasrohren beschossen wurden.

Manche Tiere müssen für mehrere Monate oder gar Jahre in der Pflegestation bleiben. Andere schaffen es wegen ihrer Verletzungen nie mehr in die Freiheit. Die meisten können aber wieder gesund gepflegt und in die Freiheit entlassen werden, sagt der Vogel-Fachmann. Dafür sind auch die kleinen Seen nahe der Auffangstation gut: Dort wird getestet, ob sie wieder schwimmfähig sind oder nicht. „Enten und Gänse sind in der Regel pflegeleicht. Die fliegen einfach davon, wenn es ihnen wieder gut geht.“

(dpa)