1. Karlo Clever

Partnerschaften: Auch Städte können Freunde sein

Partnerschaften : Auch Städte können Freunde sein

Die ersten Verbindungen dieser Art wurden nach dem Zweiten Weltkrieg geknüpft. So konnten aus Feinden Freunde werden. Partnerstädte helfen sich gegenseitig und feiern miteinander.

Kann eine Stadt Freundschaften haben? Ja, sie kann! Die Stadt Marburg im Bundesland Hessen hat gleich sechs Städte als Freunde, darunter Poitiers im Land Frankreich, Maribor in Slowenien und Sfax in Tunesien. Das sind drei der sechs Partnerstädte Marburgs. Viele deutsche Städte haben mindestens eine Partnerstadt. Köln hat sogar 22 Partnerstädte, weiß Kai Pfundheller. Der Experte hat im Gepräch mit Claudia Irle-Utsch Fragen beantwortet:

Was ist eine Städtepartnerschaft?

Kai Pfundheller: Eine Städtepartnerschaft ist eine Freundschaft zwischen zwei Städten. Die wird mit einem Vertrag schriftlich besiegelt. Wie bei einer Freundschaft zwischen zwei Menschen geht es darum, gemeinsam Zeit zu verbringen. Menschen dieser Städte sollten sich möglichst oft treffen und gut kennenlernen.

Manche Orte finden ihre Partnerstadt ganz in der Nähe. So sind die Städte Frankfurt im Osten von Deutschland und Słubice (ausgesprochen: swubitze) im Westen von Polen nur durch den Fluss Oder voneinander getrennt. Andere Städte teilen sich Vorlieben, zum Beispiel Sport oder Musik. Oder sie arbeiten an gemeinsamen Projekten.

 Dr. Kai Pfundheller ist ein Experte für Städtepartnerschaften.
Dr. Kai Pfundheller ist ein Experte für Städtepartnerschaften. Foto: dpa/Marc Guddorp

Warum entstanden in Deutschland Städtepartnerschaften?

Pfundheller: Die ersten Städtepartnerschaften entstanden vor rund 70 Jahren. Damals war der Zweite Weltkrieg gerade vorbei. Die Städtepartnerschaften sollten helfen, aus Feinden wieder Freunde zu machen. Die ersten Partnerschaften gab es zwischen Städten in Deutschland und England und den USA. Später kamen Orte in Frankreich dazu.

Als im Jahr 1990 aus zwei deutschen Staaten ein gemeinsames Deutschland wurde, fanden sich Partnerstädte in Ostdeutschland und Westdeutschland. Freundschaften entwickelten sich auch zu Städten in Osteuropa, zum Beispiel in Polen, Rumänien oder Ungarn. Gute Verbindungen gibt es zu Städten in der Türkei. Von dort zogen viele Menschen nach Deutschland, um hier zu arbeiten. Für sie ist eine Städtepartnerschaft wie eine Brücke in die alte Heimat.

Wie können Partnerstädte einander helfen?

Pfundheller: Partnerstädte unterstützen sich zum Beispiel gegenseitig, wenn etwas Schlimmes passiert. Als im vergangenen Sommer eine Flutkatastrophe in Deutschland viele Orte verwüstete, halfen zum Beispiel französische Partnerstädte. Wegen des Kriegs in der Ukraine unterstützen gerade die deutschen Partnerstädte die Menschen in Not. Sie schicken Medizin, Essen oder Kleidung und nehmen Geflüchtete auf. Die Zusammenarbeit in schwierigen Zeiten klappt so gut, weil sich die Städte bereits gut kennen.

(dpa)