1. Karlo Clever

Ritter gegen Ritter: Auch der Verlierer bekommt eine Belohnung

Ritter gegen Ritter : Auch der Verlierer bekommt eine Belohnung

Ich kämpfe am besten! Um das zu beweisen, hat es früher Turnieren gegeben. Das war ein gutes Training für die Ritter. Verletzen sollte sich niemand. Und gewonnen hat jeder etwas.

Es herrscht buntes Treiben auf dem Burghof. Die Gäste sind feine Leute. Die besten Plätze sind für den König reserviert. Schließlich hat der alle eingeladen. Jetzt sind alle gespannt, wer als Sieger vom Platz gehen wird!

So könnte die Stimmung bei einem Ritterturnier im Mittelalter gewesen sein. „Ein Turnier war ein großes Fest“, sagt Gregor Lietzau. Als Museumsmitarbeiter kennt er sich gut mit Ritterthemen aus. Er erklärt, die Turniere seien vor allem drei Dinge gewesen: Unterhaltung, Wettkampf und Training. „Der Gedanke dahinter war, dass die Ritter in kriegsfreien Zeiten nicht aus der Übung kommen.“

Das heißt: Beim Turnier ging es nicht darum, jemanden zu verletzen oder zu töten. Ritter sollten ihre Geschicklichkeit und ihr Können zeigen. Damit nichts Schlimmes passiert, hatten die Ritter ihre Rüstung an. Ein Pferd kam bei der bekanntesten Art von Ritter-Wettkampf zum Einsatz: dem Lanzenstechen. Dabei reiten die Ritter mit einer Lanze bewaffnet aufeinander zu und versuchen, sich vom Pferd zu stoßen. Trotz der Rüstung war das nicht ungefährlich!

So eine Lanze war mehrere Meter lang und aus Holz. Sie war also auch schwer. Mit einer Hand hätte man sie nicht lange geradeaus halten können. Deshalb gab es einen Trick: An der Rüstung hatte der Ritter eine Stütze, auf der er die Lanze ablegen konnte.

Wer sich am Schluss gegen alle anderen durchgesetzt hatte, bekam eine Belohnung. „Der Sieger hat meist von seinem Besiegten die wertvollsten Dinge bekommen. Das heißt: die Rüstung und das Pferd“, weiß Gregor Lietzau. Zum Glück besaß jeder Ritter aber mehr als eine Rüstung und ein Pferd. Neben der Belohnung ging es vor allem um Ruhm und Ansehen, erklärt Gregor Lietzau.

Je nach Turnierregeln ging auch der Verlierer des Finales nicht leer aus. Eine Möglichkeit: Er bekam ein Schwein. „Das konnte er dann schlachten und immerhin eine Weile seine Familie durchfüttern“, sagt der Experte. Man vermutet, dass daher auch ein Sprichwort stammt: Du hast aber Schwein gehabt! Damit meint man, dass etwas zum Glück noch einmal gut ausgegangen ist.

(dpa)