1. Karlo Clever

Berlin: Anderen vom Glauben erzählen

Berlin : Anderen vom Glauben erzählen

Shlomit Tripp gründete vor einigen Jahren ein jüdisches Puppentheater. Ihre Figuren erzählen Kindern vom Glauben und von Bräuchen, die zum Leben von Jüdinnen und Juden gehören.

Jüdisches Leben ist vielfältig: In jeder Familie kann es anders aussehen. Es gibt aber ein paar Dinge, die eine Vielzahl von jüdischen Menschen miteinander verbindet. Davon erzählt die Puppen-Familie Lotterstein im Bubales-Puppen­theater. Hinter den Puppen steckt Shlomit Tripp aus der deutschen Hauptstadt Berlin. Auf Bühnen und in Internet-Videos erzählt sie mit Hilfe der Puppen von jüdischem Leben. Die folgenden vier Themen kommen dabei häufig vor.

Wörter: Jüdinnen und Juden leben auf der ganzen Welt verteilt. Sie sprechen also auch unterschiedliche Sprachen. Die Puppe Shlomo Lotterstein wurde in Deutschland geboren und spricht Deutsch. Papa Lotterstein kommt aus Israel und redet manchmal Hebräisch, Mama Lotterstein spricht mit Shlomos Oma auch Russisch. Manchmal benutzt die Familie außerdem jiddische Wörter. Jiddisch ist eine alte Sprache, die überall auf der Welt gesprochen wird. „Wir sagen dann zum Beispiel: Du bist ja meschugge!“, erklärt Shlomo. Meschugge ist das jiddische Wort für verrückt.

Essen und Feste: Es gibt den Spruch: Das jüdische Fest erkennt man am Kochtopf. Papa Lotterstein erklärt, warum: „Wir erinnern gerne mit Essen an Ereignisse“, sagt er. So gibt es am Lichtfest Chanukka immer in Öl frittierte Speisen, um an ein Öl-Tempellicht im antiken Jerusalem zu erinnern. Am Pessach-Fest gibt es dagegen Matze. Das ist ein dünnes, ungesäuertes Brot, das eine kurze Zubereitungszeit hat. Papa Lotterstein sagt: „Damit erinnern wir an unsere Vorfahren, die bei ihrer Flucht aus Ägypten keine Zeit hatten, eine ordentliche Lunchbox zu packen. Sie nahmen stattdessen Matzen mit.“

Theater und Musik: Vorhang auf! Fast jedes jüdische Kind hat schon mal ein Purim-Spiel gesehen oder selbst bei einem mitgespielt. Theater ist nämlich beim Purim-Fest kaum wegzudenken. Auch Musik spielt eine große Rolle im jüdischen Leben. Während der Gottesdienste sollen zwar in der Synagoge keine Instrumente erklingen. Aber dafür werden fast alle Gebete gesungen. Es gibt sogar jüdische Musikrichtungen und Tänze wie Klezmer-Musik und Hora-Tanz. Mama Lotterstein sagt: „Aber es gibt auch jüdische Kinder, die weder singen noch Theater spielen. Mein Sohn Miki spielt lieber Fußball.“

Humor: Die meisten Menschen lachen gern. Worüber Menschen lachen, kann allerdings ganz verschieden sein. Es gibt einen Humor, der unter Jüdinnen und Juden besonders oft vorkommt und der daher jüdischer Humor genannt wird. Das Schaf Mendel ist das Haustier von Familie Lotterstein. Es sagt: „Juden und Jüdinnen lachen gerne über sich selbst. Sie machen Witze über ihre Bräuche, ihre Religion und sogar über ihr Leid. Mit Humor kommt man besser durch das Leben.“ Es gibt aber eine wichtige Regel, damit niemand verletzt wird: Man darf nur über die eigene Kultur Witze machen und nicht über andere Kulturen. (dpa)

(dpa)