Aachen - Kaiserplatz: Trinker mit Klassik vertreiben

Kaiserplatz: Trinker mit Klassik vertreiben

Von: Robert Esser
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Die CDU will mit Musikbeschallung rund um das Reiterdenkmal die Problemszene befrieden. Foto: Esser, Jaspers
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Gefährliche Gegensätze: Am Kinderspielplatz im Suermondtpark locken neben geprüften Spielgeräten allerlei gezimmerte Müllmöbel. Foto: Esser, Jaspers
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Daneben liegt Gratis-Gemüse in Holzverschlägen. Foto: Esser, Jaspers
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Daneben verdirbt Brot. Foto: Esser, Jaspers
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Am Kaiserplatz wollen die CDU-Politiker Markus Schmidt-Ott (rechts) und Dr. Ralf Otten die Trinkerszene mit klassischer Musik vertreiben. Foto: Esser, Jaspers

Aachen. Klassische Musik gegen die Trinkerszene am Kaiserplatz? Urbane Gärtner am Suermondtplatz ausquartieren? Die Union bietet am Mittwoch auf einem Stadtteilspaziergang mit CDU-Ratsherr Markus Schmidt-Ott und Dr. Ralf Otten aus der Bezirksvertretung Aachen-Mitte teils überraschende Lösungsansätze für brennende Probleme.

Schauplatz Richardstraße: Feuergefährliches Müllmobiliar auf der einen, eine brandneue Rutsche, zertifiziert nach sämtlichen EU-Normen, auf der anderen Seite. Das eine ein sogenannter urbaner Garten in Händen des Bürgervereins „Hirschgrün“, direkt daneben ein für hunderttausende Euro von der Stadt aufpolierter Kinderspielplatz. Tausende Quadratmeter mitten in Aachen, für alle offen zugänglich. Kein Zaun, kein Absperrband trennt die Bereiche im Suermondtviertel. Für ein Kind wäre der Unterschied nicht erkennbar – bis etwas passiert.

„Das sieht hier neben dem Spielplatz nicht nur schäbig aus, weil mehr grob zusammengezimmertes Holzmüllmobiliar als für einen echten Garten typische Pflanzungen zutage treten: Hier herrscht vor allem für Kinder akute Verletzungsgefahr“, sagt Schmidt-Ott. Zwischen Kaiserplatz und Hauptbahnhof sehen beide Unionspolitiker viel Licht, aber eben auch Schatten. Die Gegensätze sind immens. Und die CDU will hier in Zukunft mehr Balance herstellen.

„Dieser Spielplatz im Suermondtpark ist genauso wunderbar gelungen wie der grunderneuerte Rehmplatz. Aber es kann doch nicht sein, dass die Bezirksvertretung Mitte schon vor einem Jahr mit großer Mehrheit inklusive der Stimmen der SPD beschließt, dass ein alternativer Standort für diesen völlig aus dem Ruder laufenden urbanen Garten gefunden werden muss – und nichts geschieht“, kritisiert Otten.

So vergammelt kiloweise Brot im Bio-Eimer unmittelbar neben Spielgerüsten, entgegen sämtlichen Hygiene-Vorschriften liegen Salat und Gratis-Gemüse in einem verdreckten Holzverschlag. Für jeden griffbereit. Davor pinkelt ein Hund, dahinter schläft ein Obdachloser seinen Rausch aus. „Offenbar kontrolliert hier niemand, was auf diesem Areal tatsächlich stattfindet“, klagt Schmidt-Ott.

Auf AZ-Nachfrage versichert die Stadt am Mittwochnachmittag, dass man umgehend Vertreter von Umweltamt und städtischem Immobilienmanagement vor Ort schicken werde. Schließlich besitzt der Bürgerverein einen bislang jährlich verlängerten Pachtvertrag, der an Rahmenbedingungen geknüpft ist. Am kommenden Montag will sich „Hirschgrün“ dazu am Schauplatz an der Richardstraße äußern.

Nüchterne Ansprechpartner einige hundert Meter weiter am Kaiserplatz zu finden, ist zumindest rund um das Reiterdenkmal schwierig. Hier trifft sich – auch nach der Eröffnung des 290 Millionen Euro teuren Hochglanz-Einkaufszentrums Aquis Plaza – die Trinker- und Junkie-Szene. CDU-Ratsherr Schmidt-Ott schlägt vor, hier nach Hamburger Vorbild den Platz am Reiterdenkmal mit klassischer Musik zu beschallen. Mozart und Mahler aus Lautsprecherboxen unter freiem Himmel.

„Anderswo hat das den öffentlichen Raum mit problematischer Klientel befriedet“, sagt er. Mindestens so positive Auswirkungen erhoffen sich die CDU-Politiker von einem Alkoholkonsumverbot an Bushaltestellen. „Bei einem Verbotsradius von 20 Metern rund um jede Haltestelle würde man gleichzeitig Probleme am Kaiserplatz, am Hauptbahnhof und am Bushof lösen“, ist sich Schmidt-Ott sicher. Einen Versuch sei dies nach all den gescheiterten Maßnahmen der vergangenen Jahre allemal wert.

Auch sonst gebe es hier – wie jüngst erneut in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte thematisiert – einiges zu verbessern. Die sechs Bushaltestellen rund um den Kaiserplatz benötigten zur verwechslungsfreien Orientierung dringend unterschiedliche Namen. Zudem sei ein Zebrastreifen zwingend notwendig, um die Fußgängerströme sicher über die stark frequentierten Busspuren zu schleusen. „In Zukunft wird es hier eher noch mehr Busverkehr geben. Das Verkehrskonzept – das hat auch die Verwaltung eingeräumt – ist längst noch nicht ausgereift“, sagt Otten.

Sorge bereitet der CDU auch die Situation auf der Kleinen Adalbert-straße zwischen Aquis Plaza und der leer stehenden Abbruchhäuserzeile Richtung Willy-Brandt-Platz. Bei Dunkelheit lungern in verlassenen Hauseingängen beängstigende Gestalten herum. „Das entwickelt sich zur No-go-Area“, sagt Otten. Klassik oder Ausquartieren allein helfe diesem urbanen Raum aber wohl kaum.

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