Heinsberg: Kabarettist Pachl: „Jacobs-Aroma weckt die Oma aus dem Koma”

Heinsberg: Kabarettist Pachl: „Jacobs-Aroma weckt die Oma aus dem Koma”

„Wer nicht in der Lage ist, sich selbst zu belügen, hat auch nicht die sittliche Reife andere zu verarschen”: Dieser Satz stammt von einem Mann, dessen prägnantes Gesicht und dessen immer noch leicht baden-württembergelnde Sprache, obwohl längst in Köln-Nippes heimisch geworden, jeder von seinen gemeinsamen Auftritten mit Richard Rogler, Matthias Beltz und den Aktivisten im legendären Reichspolterabend kennt.

Doch der Name zu Gesicht und Stimme fällt meist mit dem Zusatz: „Ach der! Heinrich Pachl!”

Vielleicht lag es daran, dass in der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg noch ein paar Plätze frei waren, als der „Spezialist für vertrauensstörende Maßnahmen”, wie er sich selber nennt, sein neues Solo-Programm „Das Überleben wir...” vorstellte. Obwohl, so Pachl, „viele Menschen hierzulande meinen, der Himmel hinge nur noch voller Arschgeigen und Sozialhilfe-Formulare, und die Sparpakete durch die Luft gesegelt kommen wie Splitterbomben”, bleibt Pachl als Kabarettist stets Optimist.

Getreu dem Motto: „Vom allerletzten Weihnachtsgeld wird bei Neckermann die Welt bestellt, und von Jacobs das Aroma weckt die Oma aus dem Koma”, kalauert Helmut Pachl, um nicht an der Welt zu verzweifeln. Er ist immer noch einer der politischsten Kabarettisten Deutschlands, wurde ausgezeichnet mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, dem Deutschen Kabarettpreis und dem „Gaul von Niedersachsen”. Pachl drehte Satire-Filme (ausgezeichnet mit dem Adolf-Grimme-Preis) und schrieb inszenierte Theaterstücke.

Sein aktuelles Programm „Das Überleben wir...” berichtet von der Jahreshauptversammlung des „Instituts für Vertrauensstörende Maßnahmen”, als dessen Managing Director Heinrich Pachl schonungslos Bilanz zieht. Pachl macht selbst vor den großen Fragen des Lebens nicht halt: „Wollen wir wieder das Primat des Politischen, oder begnügt man sich weiterhin mit politischen Primaten?” Und er bleibt kämpferisch: „Geht es darum die Verhältnisse zu ändern? Oder darum zu trainieren, wie man den laufenden Schwachsinn überhaupt noch aushalten kann?”

Er erzähle heute Abend keine Merkel-Witze, so Pachl, denn: „Merkel-Witze werden ganz schnell frauenfeindlich, das liegt aber nicht an den Witzen.” Da taugt Genosse Franz Müntefering schon eher als Zielscheibe, „Münte, der Sauerländer-Ötzi, der sich selber aufgetaut hat” und dessen Humor so trocken sei, „dass er sich mit einem angebissenen Knäckebrot selber rasieren kann”. Oder Oskar „La Fontäne”, der es einfach nicht verstanden habe, seinen fünffachen Kugelblitzrücktritt langsam abrauschen zu lassen. Oder Guttenbergs exhibitionistischer Rücktritt in Seehofers offene Arme: „Karl-Theodor, Du hast gelogen, jetzt gehörst Du zu uns.”

All dies und mehr aus dem politischen Alltag würdigte Pachl der Erinnerung. Ein wenig Merkel gab es dann doch noch, ausgestattet mit „der Sensibilität einer wandernden Nacktschnecke” habe die Kanzlerin die Sicherheit der Atomkraftwerke gepriesen, um dann zu der Erkenntnis zu gelangen: „Das Restrisiko bekommt durch Fukushima ein Gesicht.” Pachl bleibt als Kabarettist aber zukunftsfroh: „Das überleben wir!” Und gab die Überlebensdevise aus: „Wer will, der kann, und wer nicht kann, der will nicht, und wer nicht will, der kann uns mal, aber das kann nun wirklich keiner wollen.”