Kreis Heinsberg: „Jungen aktiv“: Neues ausprobieren und das Beste geben

Kreis Heinsberg: „Jungen aktiv“: Neues ausprobieren und das Beste geben

Vier Mal schon hat Muhammet die Kletterwand in Angriff genommen, doch sein Ehrgeiz lässt auch beim letzten Anlauf nicht nach. „Ich schaff‘ das“, sagt er kurz, dann geht es mit Hilfestellung von Trainerin Ulrike Rothärmel noch einmal hoch hinaus bis fast unter das Dach der Halle in der Übacher Schwimmsportschule.

Muhammet ist dabei nur einer von elf Jungs, die in der Schwimmsportschule des Schwimmverbandes NRW an der Carlstraße an der Aktion „Jungen aktiv“ teilnehmen.

Willi Engels (l.) ist Vorsitzender von „Jugend aktiv“ und freute sich mit den Teilnehmern des Seminars „Jungen aktiv“ und Übungsleiterin Ulrike Rothärmel (r.) in der Schwimmsportschule in Übach-Palenberg über sehr gelungene drei Tage. Foto: Markus Bienwald

Drei Tage lang sind sie vor Ort, essen gemeinsam, schlafen in Doppelzimmern mit ihren bis dato unbekannten Altersgenossen und dürfen sich beim Schwimmen oder auch in der Turnhalle so richtig sportlich betätigen. „Was hier zählt, sind Spaß und das gute Gefühl, in einer Gruppe, die man gerade erst kennengelernt hat, etwas Neues auszuprobieren“, sagt Willi Engels, Vorsitzender von „Jugend aktiv“.

Der Verein für unabhängige Jugendarbeit im Kreis Heinsberg steckt hinter der Aktion, die sich speziell an Jungs aus Förderschulen im Kreis Heinsberg richtet. Finanziert von den Fördervereinen der Don-Bosco-Schule Oberbruch, der Peter-Jordan-Schule Hückelhoven, der Mercatorschule Gangelt, und unterstützt mit Mitteln der von unserer Zeitung getragenen Aktion „Menschen helfen Menschen“, konnten nun Jungen der Klasse neun aus Förderschulen im Kreis Heinsberg erleben, wie sich ein dreitägiges Seminar anfühlt, bei dem sie im Mittelpunkt stehen.

„Das ist hier Vollpension, auch sportlich“, meinte Willi Engels bei der Vorstellung der unter dem Titel „Jungen aktiv“ laufenden Aktion in der Schwimmsportschule. „Die hier angebotenen Möglichkeiten sind wirklich gigantisch“, so Engels weiter. Denn mit Seminarräumen, Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten sowie der Sporthalle ist der speziell auf die Anforderungen eines Bildungs- und Leistungszentrums ausgerichtete Bau an der Carlstraße das Mekka nicht nur für Wassersportler. „Hier können die Jungs auch mal Sportarten ausprobieren, die sie vielleicht noch nicht kennen oder können“, so Engels.

Hausaufgaben gibt es an den drei Tagen, die in der Schwimmsportschule verbracht werden, zwar nicht. Wohl aber ständig neue Herausforderungen. Da gilt es, sich zunächst in die Gruppe und in die Zimmergemeinschaft einzufinden. „Wir mischen die Zimmer bewusst so, dass immer zwei oder drei Teilnehmer auf einem Zimmer sind, die nicht auf der selben Schule sind“, betont Willi Engels.

Er startete noch während seiner Zeit beim Kreissportbund Heinsberg mit diesem Projekt, mehr als 15 Jahre ist das nun her. Und auch in seinem Tätigkeitsfeld bei „Jugend aktiv“ blieb er dabei, weil es sehr vielversprechende Erlebnisse und Ergebnisse bietet. „Meine Erfahrung zeigt, dass selbst die Jungs, die uns von den Schulen als schwierig beschrieben werden, nicht mehr Probleme machen als Schüler anderer Schulformen“, sagt Engels.

Was den Aufenthalt in der Schwimmsportschule so anders macht, ist vor allem die Chance, sich in der Gruppe auszupowern. „Vor allem der Zombieball hat mir sehr gefallen“, sagt Jan-Niklas. Vorher kannten nur wenige der Teilnehmer diese an den klassischen Völkerball angelehnte Sportart. „Der Unterschied ist, dass diejenigen, die ich mal abgeworfen habe, wieder zurück ins Feld dürfen, wenn ich abgeworfen wurde“, erklärt Marvin.

Für Toni Luca waren besonders die Schwimmeinheiten richtig schön. „Dafür sind wir morgens extra früher aufgestanden“, sagt er, und das gemeinsame Frühstück schmeckte danach noch besser. Vertrauensspiele und die Teamspiele, um sich kennenzulernen, sind Moritz am besten im Gedächtnis geblieben. „Und wir haben viel gelacht“, schließt er.

Die müden, aber glücklichen Augen zeigen dabei nicht nur bei ihm, dass dieses kompakte Seminar sein Ziel, den Jungs sportliche Aufgaben zu geben und das Behaupten in der Gruppe zu lehren, voll erreicht hat.

Und wer nicht genug bekommen konnte, der durfte dann noch mal an die Kletterwand, natürlich mit dem guten Gefühl, dass unten immer einer steht, der absichert.