Kreis Heinsberg: Junge Philharmonie der Ukraine: Leidenschaftlich und voller Wärme

Kreis Heinsberg: Junge Philharmonie der Ukraine: Leidenschaftlich und voller Wärme

Einen „wahrhaft klassischen Start“ ihrer Meisterkonzerte in der Saison 2016/2017 hatte die Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg versprochen. Beethoven stand auf dem Programm in der Stadthalle Erkelenz. Und der Abend war gut vorbereitet.

Neben detailreichen Ausführungen zu Werken und Akteuren, die dem Publikum an die Hand gegeben wurden, war sogar für das Hustenbonbon gesorgt. Die Junge Philharmonie der Ukraine mit Gastdirigent Georg Mais und die bulgarische Geigerin Liya Petrova bereiteten den 360 Zuhörern mit entschlossener Frische, und doch leidenschaftlich und voller Ausdruckswärme einen wunderbaren Abend.

Vor zehn Jahren wurde die Junge Philharmonie der Ukraine in der osteuropäischen Kulturmetropole Lemberg, dem heutigen Lviv, gegründet. Junge hochbegabte Musiker in die Nationale Philharmonie einzugliedern mit der Möglichkeit, ihre künstlerischen Studien fortzuführen, erwies sich als erfolgreiche Idee. Bereits im Jahr der Gründung machte das Orchester mit einer China-Reise international auf sich aufmerksam. Heute gehört die Junge Philharmonie zu den bedeutendsten Kulturträgern der Ukraine. Mit seinem Gastdirigenten Georg Mais verbindet das Orchester eine enge künstlerische Zusammenarbeit. „Hohe Musikalität und künstlerische Inspiration“ bescheinigte Yehudi Menuhin dem Leiter der Mozart-Wochen Eifel und des Mozart-Sommers Schloss Salem, der auf die Zusammenarbeit mit vielen internationalen Orchestern zurückblicken darf.

Die 26-jährige Geigerin Liya Petrova stammt aus einer Musikerfamilie aus Sofia und bekam schon mit vier Jahren Violinenunterricht. Im Alter von acht Jahren wurde ihr die Mozart-Medaille mit dem Titel „Jüngster Künstler der Unesco“ verliehen, inzwischen ist sie Preisträgerin zahlreicher bulgarischer und internationaler Wettbewerbe.

Eröffnet wurde der Abend mit Beethovens Ouvertüre „Coriolan“ op. 62, geschrieben für eine gleichnamige Tragödie, die mit einem Selbstmord endet. Das Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61 mit Solistin Liya Petrova folgte. Es ist das einzige vollendete Violinenkonzert von Ludwig van Beethoven und galt lange Zeit als unspielbar. Anspruchsvolles Mitdenken und Zusammenspiel mit einem gleichberechtigten Orchesterpart überforderte die Solisten zur Zeit Beethovens. Das Werk entsprach den damals gängigen Erwartungen des Publikums an ein Virtuosenkonzert nicht, die Uraufführung war ein bescheidener Erfolg. Den Schlusspunkt setzte die Sinfonie Nr. 3 „Eroica“ Es-Dur op. 55., die als „sittenverderbend“ verboten wurde, deren Uraufführung 1805 als „des Grellen und Bizarren allzuviel“ verrissen wurde.

Das Publikum in der Erkelenzer Stadthalle war restlos begeistert, wie der tosende Applaus bewies. „Ein Konzert, das sich vor großen Häusern nicht verstecken muss“, urteilte eine Besucherin.

(mb)
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