Hückelhoven: Johann-Strauß-Operette Wien kommt nach Hückelhoven

Hückelhoven: Johann-Strauß-Operette Wien kommt nach Hückelhoven

„Es gibt eine wunderbare Nachricht”, verkündete nach der mit viel Beifall aufgenommenen Aufführung von „Gräfin Mariza” in der Aula des Gymnasiums ein Ensemble-Mitglied: „Wir kommen im nächsten Jahr wieder mit „Der Zigeunerbaron””. Wieder viel Beifall.

Gut 300 Zuhörer erlebten in der Aula einen Operettenabend, bei dem die Freunde der heiter-beschwingten Muse mit ihren eingängigen Melodien, tänzerischen und komischen Szenen voll auf ihre Kosten kamen.

Die Johann-Strauß-Operette Wien präsentierte mit „Gräfin Mariza” ein Stück, das seit seiner Uraufführung 1924 durch seine Evergreens eine Art Unsterblichkeit erreicht hat: „Grüß mir die süßen, die reizenden Frauen im schönen Wien”, „Einmal möchte ich wieder tanzen”, „Sag ja, mein Lieb, sag ja”, „Komm mit nach Varasdin”, „Komm, Zigan, komm, Zigan, spiel mir was vor” - hier kommen das Lebensgefühl und auch die Lebensumstände einer längst vergangenen Epoche zum Ausdruck.

Denn Ort und Zeit der Handlung spielen um 1914 im Ungarn, als dieses noch Teil der k. u. k. Donaumonarchie Österreich-Ungarn war und das Wort Arbeit in adeligen Kreisen nahezu unbekannt war.

Emmerich Kálmán (1882-1953), als Sohn eines Getreidehändlers am Plattensee geboren, gehörte zu den berühmtesten Operettenkomponisten seiner Zeit.

Als Jude musste er nach dem Anschluss Österreichs 1938 Wien verlassen, in das er erst 1949 nach Aufenthalten in der Schweiz, Frankreich und den USA zurückkehrte, um dann wegen des dort immer noch herrschenden Antisemitismus endgültig nach Paris zu ziehen.

In der dreiaktigen Operette „Gräfin Mariza” interpretiert er musikalisch die von Julius Brammer und Alfred Grünwald erzählte Geschichte einer Liebe, die erst nach manchen Umwegen zu einem glücklichen Ende findet. Und diese Geschichte bringen die Solisten, das Orchester, der Chor und das Ballett aus Wien unter der Leitung von Bettina Schmitt temperamentvoll-spritzig auf die Bühne und über die Rampe.

Gut zweieinhalb Stunden lang wechseln sich Herz und Schmerz, Irrungen und Wirrungen, Dramatik und Emotionen, flotte Rhythmen und eingängige Melodien ab. Kraftvolle Stimmen fordern nach gelungenen Arien und Duetten immer wieder zu spontanem Beifall heraus.

Und viel Nostalgisches scheint durchs Publikum zu schweben.

Andrea Olah spielt und singt die auch in ihrem äußeren Erscheinungsbild ansehnlich-stolze, aber auch eigentlich unglückliche Gräfin Mariza; Heinrich Schopf (der als Ersatz in die Rolle des Grafen Tassilo schlüpfen musste und diesen Wechsel hervorragend meisterte) ist eben dieser Graf, der in Armut geraten ist und sich als Verwalter auf den Gütern der Gräfin verdingt.

Josef Pechhacker mimt den Fürsten Populescu, einen zwischen Weisheit und Lächerlichkeit schwebenden Hochadeligen; Franz Bernd Mitterer gibt den erfundenen Bräutigam der Gräfin (um sich die ungebetenen Freier vom Hals zu halten), Baron Zsupan, der ein Mittelding ist zwischen Trottel und Einfaltspinsel und sich in Tassilos Schwester Lisa (Anita Tauber) verliebt; Manuela Miebach erscheint ziemlich zum Schluss als schrullige und exzentrische reiche Tante, die ihren Neffen von seinen Schulden freigekauft hat und nun die standesgemäße Verbindung zu Gräfin Mariza ermöglicht; Hannes Prugger und Zdislav Zelinka als Diener und Olga Szabo als Wahrsagerin vervollständigen das Ensemble.

Rauschender Beifall am Schluss des heiteren Operettenabends.

Mehr von Aachener Zeitung