Aachen: Jockey Beckers klar auf Platz eins

Aachen : Jockey Beckers klar auf Platz eins

Zum Feiern blieb überhaupt keine Zeit, schließlich ist der Orden wider den tierischen Ernst nicht das ganze jecke Leben. Der Kür folgt die Pflicht.

Und das bedeutete für Jürgen Beckers alias Jürgen B. Hausmann an diesem Samstagabend: Gala-Vorstellung auf der Eurogress-Bühne, Applaus, Abmarsch, rein ins Auto und ab nach Verlautenheide.

Die nächste Sitzung, die nächste Rede, natürlich eine andere, als die beim AKV. Und dann doch die große Feier? Denkste. Nächster Termin Alsdorf, dann Eschweiler. Der Terminkalender ist gnadenlos.

„Schwieriges Parkett”

Na klar, das tut doch irgendwie weh, den Rausch des Erfolgs nicht in vollen Zügen genießen zu können. Aber so ist das närrische Programm eben. Man wäre fast geneigt zu sagen: Karnevalisten sind schließlich nicht zum Vergnügen da! Aber: Ein Vergnügen war Beckers Ritt über den Ordens-Parcours allemal.

„Ja”, bekennt er am Sonntagmorgen, „ich glaube, den Leuten hats Spaß gemacht.” Was für eine Untertreibung. Als sich das Ordens-Publikum, traditionell nicht das euphorischste, von den Sitzen erhebt und Jürgen Beckers feiert, da läuft ihm schon ein Schauer über den Rücken.

Ein „schwieriges Parkett” sei die Eurogress-Bühne, sagt Beckers. Warum? „Tja, wissen Sie, da sitzt ja auch die überregionale Prominenz”, sagt Becker. Kein garantiertes Heimspiel also für den Baesweiler, den die Öcher - ganz dem regionalen Konsens verpflichtet - sofort als einen der Ihren vereinnahmt haben. Und die TV-Atmosphäre? „Man denkt schon daran, wenn man auf die Bühne geht. Jetzt gilts eben.”

Jeder Versprecher, jede versägte Pointe - raus ists im Land und mitten in den TV-Stuben. Becker sagts geradeheraus: „Klar, ich war super nervös.” Es hat nicht geklappt, was sich Becker - und wohl viele andere Akteure an diesem Abend - vorgenommen hat: Nicht daran zu denken, dass zum ersten Mal nach langer Zeit wieder live gesendet wurde.

Erst Jeck, dann Lehrer

Bescheiden bleibt der Pädagoge, der so närrische Fächer wie Latein und Griechisch am Heilig-Geist-Gymnasium in Broich unterrichtet. Wie kommt ein Altphilologe in die Bütt? Andersherum wird ein Schuh daraus. „Ich war zuerst jeck, dann Lateiner”, schmunzelt Beckers. Mit 11 Jahren stand er zum ersten Mal auf der jecken Bühne, „die Vorliebe für alte Sprachen kam erst später”.

Es ist Sonntagnachmittag, Beckers hat unzählige Telefonate geführt und macht sich kurz vor 14.30 auf den Weg nach Köln. Sitzung in der Kölner „Börse”. Es gibt eben auch für ihn das jecke Leben nach der Ordenssitzung, närrischer Alltag eben. Nächstes Jahr, da will Becker wieder mit von der Partie sein.

„Hoffentlich klappts”, hofft er auf zündende Ideen fürs rhetorische Feuerwerk in der Bütt - und darauf, dass AKV und WDR wieder ein offenes Ohr haben. Vielleicht hält sich Beckers ja dann den Terminkalender frei und kann nach der Sitzung mächtig mitfeiern, bei der großen After-Show-Party.

Warten auf Engelke

Die war im Vorfeld von den Programmmachern als völlig neu durchgestylt angekündigt worden. Nicht nur vom Design her. In der Tat: Das Foyer des Eurogress erwies sich in der Tat als ein etwas schmuckerer Tanzsaal als noch in den Vorjahren.

Auf der Bühne drehten die „Wheels” direkt im Anschluss an die Sitzung die Verstärker auf. Zu vorgerückter Stunde löste sie die Fred-Kellner-Band ab. Die fristet eigentlich ein trauriges Dasein, warten doch die meisten nur auf die „Kellnerin”: Comedy-Star Anke Engelke ist eine von zwei Sängerinnen der Truppe.

Flucht aus der Etage

Aber: Viel war nicht anders, an der Party nach der Show. Denn ein Rezept des AKV ging nicht ganz auf: Der große Mix von Promis und Fußvolk. Erstmals tafelten die Wichtigen nicht im Quellenhof, um von dort aus das Weite suchen zu können. Man hatte den Imbiss auf die erste Etage des Eurogress verlegt, um die Prominenz zur anschließenden Party zu bewegen.

Doch auch von dieser ersten Etage aus scheint es ausreichend Fluchtmöglichkeiten gegeben zu haben. Die After-Show-Zweiklassen-Gesell-schaft, sie blieb auch im Jahr 2006 so real wie in den Vorjahren.

Jürgen Beckers wirds egal gewesen sein. Statt After-Show und Party ist bei ihm zu dieser Stunde nächtlichen TV-Studium angesagt. Sein Urteil zur Sitzung. „War doch gut, oder etwa nicht?”



Ordensverleihung